August 16, 2020 Alexander M. Schmid

Krise oder Chance ist nur eine Frage des Standpunkts und Blickwinkels. Jene, die eine Krise als Bedrohung wahrnehmen haben es derzeit sicher nicht einfach. Jene, die eine Krise als Chance sehen, kommen jetzt erst so richtig in Fahrt und werden kreativ.

Warum überhaupt Krise?

Zu einer Krise kommt es dann, wenn der übliche gewohnte Weg beeinträchtigt ist oder gar nicht mehr funktioniert. Manchmal passiert das schleichend langsam und manchmal sprichwörtlich über Nacht. Es braucht ein Sensorium, mit dem man langsame Entwicklungen wahrnehmen kann um darauf hin alternative Wege zu finden, damit besser umzugehen. Ebenso braucht es einen Plan für den Notfall, um rasch reagieren zu können. Die Krux an Notfallplänen ist, dass sie zumeist für häufiger auftretende Szenarien ausgearbeitet werden und seltene Auslöser nicht betrachten. In jedem Hotelzimmer hängt ein Plan zum Verhalten bei einem Brand. Was aber tun bei einer Überschwemmung? Erdbeben? Wirbelsturm?

Chance

Chancen gibt es für jeden mehr als man nützen kann. Die Frage ist, welche Chancen werden als lohnenswert erachtet und welche passen in das eigene Bild. Menschen wie Unternehmen haben oft ein Problem damit, ausgetretene Pfade zu verlassen und einen neuen Weg einzuschlagen. Paradoxerweise steigert sich die Trägheit, das Verharren im ausgetretenen Pfad genau dann, wenn die Hindernisse auf diesem Pfad immer größer werden und ein Verlassen des Pfads viel einfacher wäre. Aber ist das nicht unsicher? Ja, ist es. Aber zu verharren und darauf hoffen, dass es bald wieder besser wird, garantiert nur eines: massive Verluste bis hin zum Verlust der Existenz.

Zwang zur Chance

Egal ob EinzelunternehmerIn oder Großkonzern, die Suche nach Alternativen wird besonders dann intensiviert, wenn die aktuelle Situation alternativlos geworden ist. Um das in Nicht-Krisenzeiten als Gedankenspiel zu üben, stellt man sich einfach folgende Situation vor: man stellt ab morgen seinen Hauptumsatzbringer gratis zur Verfügung. Welche anderen umsatzbringenden Tätigkeiten könnte man stattdessen anbieten? Welche (anderen) Kundengruppen könnte das neue Angebot interessieren? Welche (ganz) anderen Fähigkeiten und Fertigkeiten benötigen Sie dafür und welche vorhandenen Ressourcen können Sie dafür weiter verwenden?

Voraussicht

Jeder kennt die mühsame Zeit, bis Dinge gut laufen. Umso geringer ist die Bereitschaft, diese wieder in Frage zu stellen, umzubauen oder gar aufzugeben. Schließlich war der zeitliche (und finanzielle) Aufwand dafür ja sehr hoch. So ungern wie manche zur Vorsorgeuntersuchung oder zum Zahnarzt gehen, genauso ungern möchte man im unternehmerischen Kontext neue Veränderungen absichtlich vom Zaun brechen wenn aktuell kein Anlass da zu sein scheint. Never change a running System, richtig? Teilweise ist das schon richtig. Aber eben nur teilweise. Wenn man bedenkt, wie oft wir Prozesse und Systeme verändern um diese effizienter und bequemer nutzbar zu machen, wird schon sehr häufig daran herum geschraubt. Weniger oft wird aber das gesamte System durchleuchtet und dessen Kernaufgabe in Frage gestellt. Für Voraussicht ist das allerdings notwendig und letztendlich weniger dramatisch als eine Notoperation im Krisenfall.

Das Beste daraus machen

Wie in jeder persönlichen wie auch unternehmerischen Krise geht es im ersten Schritt darum das Überleben zu sichern. Bei einem akuten Herzinfarkt macht es am OP-Tisch auch keinen Sinn über eine Ernährungsumstellung zu philosophieren. Hat man das Gröbste überwunden, muss man sich aber schon die Frage stellen, ob man business as usual weitermachen möchte, oder besser doch eine andere Richtung einschlägt. Die Rahmenbedingungen können nicht besser sein. Man selbst und alle anderen ist besonders aufmerksam und sensibilisiert für die kleinsten Veränderungen. Es werden plötzlich Abläufe sichtbar, die im vorherigen Dahingeplätscher des Alltags gerne mal überspielt wurden. Diese Unruhe im System ist die beste Voraussetzung dafür, die Trägheit zu überwinden und einen anderen Weg einzuschlagen.

Lerneffekte

Das Besprechungen de facto ausschließlich online stattfinden können, hätte man vor ein paar Monaten nicht für möglich gehalten. Inzwischen ist es Normalität. Das ein Online-Shop eine hilfreiche Ergänzung zu einem Geschäftslokal sein kann, ebenso. Oder das Büroarbeiten auch von daheim erledigt werden können und eine Fahrt ins Büro zumindest teilweise nicht mehr notwendig ist. Ihnen fallen aus Ihrer Arbeitsumgebung sicher noch einige andere Gewohnheiten ein, die Sie geändert haben und Ihnen neue Möglichkeiten eröffnen. Das erzwungene Ausprobieren als Innovationstreiber – wer hätte das gedacht.

Bis zum nächsten Mal,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht Digitales einfach.