Hybridisierung | #15

Posted on September 13, 2020

Hybridisierung als Wort existiert? Jetzt schon. Es ist für mich die Zusammenführung der analogen mit der digitalen Welt. Der starke Fokus auf die Digitalisierung der letzten Jahre zeigt inzwischen ein paar Defizite auf. Der Mensch und unsere gewohnte Art des sozialen Miteinanders hat darunter gelitten. Dabei geht es nicht um ein entweder oder sondern um ein sinnvolles sowohl als auch.

Alles digital

Im letzten halben Jahr hat sich gezeigt, dass die Digitalisierung vieles möglich macht. Trotz der mal mehr und mal weniger vorhandenen Möglichkeiten zur persönlichen face2face Interaktion, konnten viele Tätigkeiten trotzdem weiter ausgeführt werden. Manches davon sogar effizienter als zuvor. In vielen Bereichen bedeutete das sogar einen Technologieschub der ohne diese Pandemie sicher nicht so rasch Einzug gehalten hätte. Selbst das europäische politische Parket hat sich relativ rasch darauf eingestellt, viele der notwendigen Konferenzen und Abstimmungen in den digitalen Raum zu verlegen und trotzdem handlungsfähig zu bleiben.

Wo bleibt analog?

Das sich mit fortschreiten der Pandemie das Bedürfnis nach persönlichen Treffen von Tag zu Tag steigerte, ist nicht weiter verwunderlich. Der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen, dass auf menschliche Kontakte nicht dauerhaft verzichten kann. Dabei ist der Händedruck noch das worauf sich am ehesten verzichten lässt und es dafür auch andere passende Grußmöglichkeiten gibt. Aber eine herzliche Umarmung kann nur schwer ersetzt werden und sollte es auch nicht. Es gibt zwar schon spezielle Bodysuits, die auf wundersame Weise eine Umarmung simulieren können, aber mal ehrlich: ist es das was wir wirklich wollen?

Hybridisierung

Selbst wenn es in absehbarer Zeit einen praktikablen Umgang mit der Pandemie geben wird, sei es durch eine Impfung oder andere Behandlungsformen, ist es ratsam eine Mischform der sozialen Interaktion und Zusammenarbeit zu finden, die technologisch unterstützt, ökologisch vertretbar, ökonomisch sinnvoll und vor allem menschlich akzeptabel ist.

Zusammen gestalten

Bereits jetzt entsteht die meiste Wertschöpfung in der Auseinandersetzung mit einem Problem und der gemeinsamen Gestaltung von neuen Lösungswegen. Neue Produkte und Dienstleistungen entstehen durch analoge Beobachtung von Menschen und das iterative erarbeiten von Lösungen. Auch wenn man annimmt, dass mit oftmaliger Wiederholung das gemeinsame Erarbeiten einer Lösung auf einem virtuellen Whiteboard und digitalen Post-Its zur Routine wird, so hat die gleiche Session in einem Raum mit den gleichen Menschen eine ganz andere Qualität. Auch für ModeratorInnen solcher Sessions ist es face2face einfacher die Stimmung und Energie einzuschätzen als im virtuellen Raum. Ob die nächsten Generationen, die als volle digital Natives aufwachsen, das anderes wahrnehmen, wird sich zeigen.

Laufend verwalten

Die Umsetzung der Lösung und der laufende Betrieb wird zumeist schon digital unterstützt abgewickelt. Dafür ist der Einsatz von digitalen Prozessen oftmals effizienter und soll daher von Computern oder Robotern gemacht werden. Viele Interaktionen und Abhängigkeiten können von Algorithmen besser abgearbeitet werden. Sich wiederholende Aufgaben sind die Stärke von Maschinen die nicht ermüden und nur die Fehler machen, die wir ihnen einpflanzen.

Beispiele

So sehr ich das persönliche Gespräch mit meiner Friseurin oder meinem Arzt schätze, so nervig ist die analoge Terminvereinbarung. Was vielleicht auf den ersten Blick wie ein Luxusproblem scheint, ist auf den zweiten Blick dann doch keines. Wir alle haben Zeitfenster die wir für solche Koordinationsaufgaben nutzen. Wenn diese mit den Zeitfenstern der anderen Seite nicht synchron laufen, hilft nur eine asynchrone Lösung deren Angebot und meine Nachfrage nach einem Termin zusammen zu bringen. Im Büroalltag ist das auch nicht anders. Termine mit anderen Menschen auszumachen die Ihren Kalender nicht pflegen, kostet unnötig Zeit und Energie die ich liebend gerne anders verwenden würde.

Mehr sowohl als auch

Vieles sieht zu Beginn gegensätzlich aus und bedarf einer näheren Betrachtung um das beste aus allen Welten zusammenzuführen. Denken Sie weniger entweder oder und mehr sowohl als auch. Gut möglich, dass Sie mehr Situationen vorfinden in denen 1+1=3 ergibt. Wäre nicht so verkehrt, oder?

Bis zum nächsten Mal,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht Digitales einfach.