einfach.wöchentlich #92 | Berührend

Posted on Dezember 16, 2018

Berührend

Jemanden oder etwas berührend finden. Nicht nur emotional sondern auch haptisch. Sich langsam vortasten ist eine schöne Metapher für die Nutzung unseres Tastsinns um unbekanntes Terrain zu erforschen. Unser Tastsinn ist tief in unserem Bewusstsein verankert und liefert enorm wichtige Informationen um unsere Umwelt wahrzunehmen.

Begreifen
Etwas zu begreifen ist einerseits das mentale Verständnis einer Sachlage und andererseits die Vorgang durch Tasten ein Objekt in seiner Beschaffenheit und Dimensionen zu erfassen. Im laufenden Wandel von einer analogen zur digitalen Welt wird diese Erfahrung einen neuen Stellenwert bekommen. Wie wichtig das Begreifen ist, zeigt unter anderem die die Entwicklung der TouchScreens oder des haptic feedbacks bei elektronischen Geräten. Diese finden eine weit höhere Akzeptanz, wenn wir sie mit allen unseren Sinnen bedienen können.

Berührend
Seit meiner Kindheit sind mir Schilder mit der Aufschrift „Bitte nicht berühren“ ein Dorn im Auge. Besonders bei Objekten die man zur Benutzung sowieso berühren muss. Selbst die berühmte heiße Herdplatte muß man mal (un)absichtlich angefasst haben. Sprichwörtlich und metaphorisch. Solche berührenden Lerneffekte brauchen wir Menschen um unsere Sinneswahrnehmung voll auszureifen. Es ist uns schon in die Wiege gelegt alles berühren zu wollen. Angreifen um zu begreifen.

Umgekehrt ist es ebenso wichtig selbst berührt zu werden. Mental wie auch körperlich. Studien zu Folge, entfaltet eine Umarmung die 20 Sekunden (oder länger) dauert, eine wohltuende wenn nicht sogar heilende Wirkung auf unseren Körper. Vorausgesetzt beide Beteiligten wollen das auch. Aber selbst ein ehrlicher, bewußter Händedruck mit entsprechendem Blickkontakt kann dieses Gefühl auslösen und eine Nähe, trotz der körperlichen Distanz, herstellen.

Touchpoints
Seit einiger Zeit macht der Begriff „Touchpoints“ seine Runde. Damit gemeint sind Berührungspunkte zwischen einem Unternehmen und seinen KundInnen. Diese Touchpoints können sowohl in analoger/persönlicher wie auch digitaler Form stattfinden. Bezeichnend finde ich daran die Wortwahl. Für mich kommuniziert sie implizit die Absicht des Unternehmens, respektive seiner MitarbeiterInnen, die KundInnen berühren zu wollen und von ihnen berührt zu werden. Beobachtet man den Umgang mit KundInnen, wäre oft der Begriff Collisionpoints besser gewesen. Paradoxer Weise wird das in der besinnlich-hektischen Vorweihnachtszeit besonders offensichtlich. Da wünschte ich mir oft einen entspannteren, entschleunigten Umgang miteinander. Ich selbst bemühe mich redlich, einen solchen Umgang zu praktizieren. Ab und zu gelingt es mir auch, zumindest die Person nach mir damit anzustecken. Probieren Sie es einfach auch und stecken Sie andere damit an.

Ihnen einfach eine berührende Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.