einfach.wöchentlich #88 | Sorgfalt

Posted on November 18, 2018

Sorgfalt

Ich gehe derzeit mit dem Gedanken schwanger mir ein Tablet zu kaufen. Dazu schaue ich mir gerne Erfahrungsberichte auf YouTube an in denen Technik-Freaks solche Geräte ausführlich testen und ihre Eindrücke vermitteln. Viele betreiben dabei erheblichen Aufwand und machen das sehr ausgewogen und sorgfältig. In einem Video allerdings, wird gezeigt, wie sich das neue iPad Pro verhältnismäßig leicht verbiegen lässt. Wo bleibt hier die Sorgfalt im Umgang mit so einem Gerät?

Der sorglose Umgang
Nicht nur bei solchen Videos frage ich mich, ob diese Menschen in anderen Lebensbereichen auch so wenig Sorgfalt walten lassen. Rattern die mit ihren Alufelgen am Auto auch den Bordsteinkanten entlang? Werfen die ihre Klamotten in Lokalen auf den regennassen Fußboden? Lassen die ihre Bierflaschen einfach da fallen wo Sie gerade stehen ohne einen Mistkübel zu suchen? Offensichtlich. Erst kürzlich habe ich das am Wiener Stephansplatz beobachtet, als vor einem Fussballländerspiel Fans der Gastmannschaft den Platz versauten. Nicht einmal zu Silvester, wenn hundert Mal mehr Personen den Platz bevölkern, sieht es danach so aus.

Wertschätzung
Ich empfinde es nicht als wertschätzend wenn mit Dingen die von jemand anderen mit Bedacht und Sorgfalt erzeugt wurden, sorglos umgegangen wird. Selbst wenn man es sich leisten kann danach Entschädigung zu bezahlen, ist und bleibt es eine Respektlosigkeit. Stellen Sie sich vor sie sind zum Essen eingeladen und Ihnen gefällt die Tischdekoration nicht. Würden Sie einfach damit beginnen, den Tisch umzuräumen? Eher nicht.

Zwischenmenschliches
Auch zwischenmenschlich beobachte ich abnehmende Sorgfalt. Wie wir miteinander umgehen ist ein Spiegel für das Maß an Sorgfalt die wir bereit sind zu investieren. Sorgfalt braucht Zeit. Zeit aufmerksam zu sein, Zeit ein Gespräch oder eine Diskussion zu führen, Zeit darüber nachzudenken was der andere Mensch sagt und meint. Wir bekritteln beim Arzt ewig warten zu müssen und wollen dann aber seine ungeteilte, stundenlange Aufmerksamkeit um danach womöglich die Ratschläge nicht zu befolgen.

Die Teezeremonie
Eine japanische Teezeremonie ist für mich das Sinnbild für Sorgfalt. Jeder einzelne Schritt ist festgelegt und wird auch auf eine bestimmte Weise durchgeführt. Um das zu beherrschen, braucht es Zeit zum erlernen und auch Zeit für die Durchführung. Es ist Konzentration und Achtsamkeit gefordert mit der man sich der jeweiligen Aufgabe widmet. Das Gegenteil zu Multitasking.

Sorgfalt im Alltag
Im beruflichen Alltag gibt es viele Möglichkeiten Sorgfalt zu praktizieren. Freuen Sie sich nicht auch über: eine aussagekräftige Betreffzeile in einer Email? Ein schön beschriftetes und zugeklebtes Kuvert? Eine handgeschriebene Dankeskarte? Eine strukturierte Datenablage auf dem Fileserver die auf Anhieb verständlich ist? Den eingeräumten Geschirrspüler im Büro statt sich in der Abwasch türmendes Geschirr? Einen nachgefüllten Toilettpapierhalter? Das gut lesbar formatierte Word- oder Excel Dokument? Was davon werden Sie ab morgen sorgfältiger handhaben?

In zwei Wochen beginnt der Advent. Die besinnliche Zeit. Die Zeit Dinge bewusster wahrzunehmen, Menschen bewusster zu begegnen und ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Vergessen Sie aber bitte nicht auf sich selbst. Beginnen Sie mit sich selbst sorgfältiger umzugehen. Dann fällt es Ihnen bei anderen garantiert einfacher.

 

Ihnen einfach eine gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.