einfach.wöchentlich #86 | Gestaltungsdenken

Posted on November 4, 2018

Gestaltungsdenken

Vor etwas mehr als einem Monat habe an einem Training für Design Thinking teilgenommen. Ein Begriff der aktuell in aller Munde ist und Gefahr läuft in absehbarer Zeit auf dem Buzzwordfriedhof zu landen. Warum sollte es also noch Sinn machen sich damit auseinander zu setzen?

Denken und Handeln
Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Je öfter desto besser. Erst mit der Zeit, wenn wir oft genug nachgedacht und dann gehandelt haben, wird eine Herangehensweise verinnerlicht. Sie erinnern sich vielleicht noch an ihre ersten Fahrstunden mit einem Auto. Es dauerte eine Weile, bis man beim Gangwechsel nicht mehr im Kopf die Reihenfolge Gas wegnehmen, Kupplung treten, den Schaltknauf in die richtige neue Position wegen und wieder einkuppeln durchdachte und entsprechend ausführte. Unzählige Male waren notwendig um diesen Vorgang zu verinnerlichen und „automatisch“ auszuführen. Was hat das nun mit Gestaltungsdenken aka Design Thinking zu tun?

Lösungsfindung
Wir sind gewohnt, dass wir unsere Erfahrungen immer wieder erneut verwenden, wenn eine neue Situation annähernd so aussieht wie eine bereits erlebte. Das klassische been there, done that. Wenn sich aber die Konstellation der Umstände und involvierten Personen ändert, kann man mit seinem Erfahrungsschatz rasch am Ende sein. Dann wird es notwendig, sich strukturiert mit der Situation zu beschäftigen und bestimmte Erfahrungen (zumindest temporär) zu verlernen um Platz für neue Erfahrungen zu schaffen. Design Thinking bietet so einen strukturellen Rahmen.

Pragmatisch schlägt dogmatisch
Wie bei allen Methoden ist es notwendig, den Kern der Methode zu erfassen und zu verinnerlichen um dann den für die jeweilige Situation passende Art und Weise der Umsetzung zu finden. Niemand hilft eine Vorgehensweise nach dem Lehrbuch, wenn sie von den beteiligten Personen nicht angenommen wird. Allein schon die Ankündigung eine neue Methode anwenden zu wollen wirkt für manche bedrohlich. Zu oft wurden in der Vergangenheit neue Methoden nur halbherzig „eingeführt“ und eben nicht verinnerlicht. Es gibt weder DIE Methode noch DAS Rezept mit dem ein oder alle Probleme in einer Organisation beseitigt werden. Wer das glaubt, ist naiv und hängt einer rein mechanischen Sicht auf Abläufe nach die es einfach nicht gibt. Wäre das der Fall, würde sich eine Organisation komplett automatisieren und nur von Robotern abbilden.

Vorleben schlägt anordnen
Unabhängig davon ob eine Organisation hierarchisch oder selbstorganisiert geführt ist, gibt es immer Menschen die für ein Thema oder Projekt die Führung übernehmen. Bis jetzt ist noch jede(r) gescheitert, wenn die auserkorene Methode nicht von dieser Führungskraft selbst vorgelebt wurde. Führungskräfte haben, ob sie es wollen oder nicht, eine Vorbildfunktion. Ihr tun wirkt auf andere und wird von diesen nachgemacht. Wenn Sie also wollen, dass sich Ihre Abteilung oder Team auf eine bestimmte Art verhält bzw. eine bestimmte Methode anwendet, dann beginnen Sie selbst damit sich genau so zu verhalten.

Gestaltungsdenken
Zurück zum Kern von Design Thinking. Im Wesentlich geht das darum, dass erst nach eine Phase der Orientierung über eine Lösung nachgedacht wird. Albert Einstein formulierte es einmal so: Das Problem zu erkennen, ist wichtiger, als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung. Sowohl die Phase der Orientierung wie auch die der Lösungsfindung sind jeweils in drei Phasen geteilt und zu einem sechsstufigen Ablauf. Dabei ist wichtig, dass der Ablauf nicht linear eingehalten werden muss, sondern iterativ durchlaufen wird. Das bedeutet, dass nach jeder Phase bewertet wird, ob die vorherigen Annahmen noch stimmen oder sich neue Erkenntnisse ergeben haben, die eine geänderte Vorgehensweise sinnvoll und notwendig machen.

Buchempfehlung
Einen sehr pragmatischen und einfachen Einstieg bietet das Buch Design Thinking Schnellstart von den Autorinnen Isabell Osann, Lena Mayer und Inga Wiele. Bei Inga Wiele (gezeitenraum) habe ich das anfangs erwähnte Training absolviert. Ein Training ist ein Muss, wenn man vorhat eine neue Methode zuerst selbst zu verinnerlichen um sie dann erfolgreich in eine Organisation hineintragen zu können.

Ihnen einfach eine gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.