einfach.wöchentlich #142 | Adventism

Posted on Dezember 1, 2019

Adventism

Adventism findet statt, wenn sich traditionelles Verhalten von seinem Ursprung loslöst und verselbstständigt. Gerade erst haben wir den Black Friday überstanden, schon folgt der Cybermonday. Die Kreditkarten glühen stärker als der Wein und viele verfallen dem Kaufrausch anstatt vom Glühwein einen leicht sitzen zu haben. (Bitte das nicht als Aufforderung sich besinnungslos zu saufen, zu verstehen.)

Besinnliches
Egal ob man die Zeit vor Weihnachten aus religiösen Beweggründen besonders wahrnimmt oder nicht, es ist eine Zeit im Jahr die man im wahrsten Sinne des Wortes besinnlich gestalten kann und soll.
Viele von uns sind das ganze Jahr über getrieben von Terminen und haben dabei nur wenig Zeit sich selbst zu besinnen und das Rundherum mit voller Aufmerksamkeit wahrzunehmen.

Käufliches
Statt sich mit mehr Aufmerksamkeit unserer Umgebung und vor allem den Menschen die uns wichtig sind zu widmen, (er)kaufen wir uns kurze Momente der Aufmerksamkeit in dem wir wieder getrieben durch die Stadt rennen um zu shoppen. Von einkaufen kann da nicht mehr die Rede sein vor allem wenn wir nur mehr online shoppen. Seit wann wissen wir nicht mehr was unseren Freunden und Verwandten wichtig ist und Freude bereitet und uns letztendlich dazu veranlasst vornehmlich nur mehr Gutscheine zu schenken?

Treffliches
Wir kommunizieren wesentlich mehr als früher. Allerdings verstärkt über digitale Medien und nicht mehr von Angesicht zu Angesicht. Dadurch gehen viele Informationen verloren die uns sonst aufgefallen und in Erinnerung geblieben werden. Hinweise die uns, beim sich über persönliche Geschenke Gedanken machen, helfen würden etwas wirklich persönliches und sinnvolles zu schenken. Jetzt wäre die passende Zeit genau das nachzuholen und sich mit den engsten Freunden und Verwandten zu treffen. Ich merke es bei meiner Verwandtschaft die ich ab und zu im Sommer bei einem Sommerfest meiner Cousine treffe oder im Advent bei einem Verwandtschaftstreffen das jedes Jahr bei jemand anderen daheim stattfindet. Die Idee dazu hatte meine Mutter als Sie das im Garten meines Großvaters zu veranstalten begann. Inzwischen ist diese Tradition von der nächsten Generation übernommen worden und wird weiter geführt. Auch wenn das einiges an Arbeit bedeutet, bin ich trotzdem dafür dankbar das es zumindest einmal im Jahr ein Familientreffen gibt.

Entspannendes
Besonders Sonntage sind ja gerne durch „Sachen machen“ geprägt wie es Michael Niavarani einst formulierte. Nun, man kann natürlich nicht nichts machen aber dabei geht es um etwas anderes. Es geht dabei darum, sich nicht auch in der Adventszeit wieder mit Terminen voll zu planen sondern mit Bedacht seine Treffen auszumachen. Dabei sollte man nicht auf die Treffen mit sich selbst und mit der Partnerin oder Partner vergessen. Auch dafür ist der Advent da. Die Zeitungen, Blogs und andere Medien sind zu dieser Jahreszeit mit Anregungen voll gepflastert wie man diese Zeit zusammen entspannt gestalten kann. Man muss auch nicht alles davon bildlich festhalten und mit anderen teilen. Selbst gewählte Privatsphäre ist wertschätzend sich selbst und anderen gegenüber.

Entschleunigendes
Im empfinde es immer als sehr angenehm, wenn an Feiertagen sich das Straßenleben schlagartig entschleunigt und leiser wird. Es ist eine Wohltat für Augen, Ohren und Gemüt. Warum also nicht auch die Adventszeit dafür nutzen, etwas Tempo in allem was wir so machen herauszunehmen. Dieses Zwölftel eines Jahres weniger Stress und Hektik verkraftet unser Streben nach Produktivität durchaus. Ich bin sogar davon überzeugt, dass diese langsamere Phase uns wieder Kraft, Mut und bessere Orientierung für das nächste Jahr schöpfen lässt. Bei Elektroautos haben wir das mit der Rekuperation ja schon gut gelöst. In diesem Sinne ist ein Ausrollen lassen ein guter Ansatz wieder Energie zu tanken. Zeit, dass wir das auch für uns wieder entdecken.

Ihnen einen einfach schönen ersten Adventsabend,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.