einfach.wöchentlich #139 | Verantwortung

Posted on November 10, 2019

Verantwortung

Verantwortung ist ein schwerwiegender Begriff. Vermutlich auch deswegen, weil wir ihn gerne mit Schuld in Verbindung bringen oder sogar gleich setzen. Verständlich, dass dann in uns kein besonderes Wohlgefühl entsteht. Gerade jetzt, mit noch nie so niedrig gewesenen Hürden selbst etwas zu beginnen, ist es an der Zeit das zu ändern. Was wäre, wenn wir Verantwortung öfters mit Gestaltungsfreiraum assoziieren?

Verantwortung ≠ Schuld
Den Begriff Schuld kennen wir vor allem aus der Justiz, die, vereinfacht gesagt, darüber befindet ob jemand eine Tat vollzogen hat für die Konsequenzen vorgesehen sind. Natürlich gibt es auch da eine Grauzone. Wenn zum Beispiel ein Buchhalter Geld veruntreut ist er eindeutig schuldig. Die Verantwortung dafür trägt aber auch die/der Vorgesetzte und die Geschäftsführung. Diese Verantwortung gilt vor allem jenen gegenüber die durch diese Handlung geschädigt wurden. Diese Trennung ist nicht immer eindeutig und klar. Es ist aber wichtig sich immer wieder bewusst zu machen, dass es diese Trennung gibt und daraus neue, bessere Methoden ableitet.

Nutzung ohne Verantwortung?
In einem Gastkommentar schreibt Baha Jamous (CMO, Hapimag) über die Nebenwirkungen der On-Demandisierung – also dem verstärkten Nutzen von Dingen anstatt deren Eigentum. Die Sharing-Economy ist dafür das aktuell prominenteste Beispiel. Jamous merkt kritisch an: „Die On-Demandisierung von Dienstleistungen entkoppelt die Nutzung von der Verantwortung – und befeuert damit eine soziale Achtlosigkeit, die so gar nicht zur behaupteten ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit passen will, die derartige Dienste für sich in Anspruch nehmen.“ Ich finde, dass es keinen Unterschied macht ob mir ein Auto gehört, ich es miete oder teile, wie ich mich damit im Straßenverkehr verhalte und bewege. Ich kann damit sehr ökonomisch, vorsicht und vorausschauend unterwegs sein oder wie ein Rowdy durch die Straßen fetzen und damit andere gefährden sowie die Umwelt unnötig stark belasten. Er hat trotzdem insofern recht, dass entsprechendes Verhalten der Nutzer noch nicht gefördert wird. Zwar gibt es bei manchen Anbietern einen Eco-Score im Auto der mir anzeigt ob ich sparsam unterwegs bin, jedoch hat dieser keine Auswirkung auf die Kosten der Fahrt. Und wie wir alle wissen, ändern wir spätestens dann unser Verhalten wenn es ans Geld geht.

Verantwortung = Gestaltungsfreiraum
Ich habe es früher selbst öfters erlebt, dass mir Aufgaben übertragen wurden ohne die dafür nötigen Ressourcen zu bekommen. Dafür dann trotzdem verantwortlich zu sein macht keinen Spaß. Wenn Sie jemanden Verantwortung für etwas oder auch jemanden übertragen, vergessen Sie nicht zu fragen was sie/er alles dafür benötigt. Damit sind Ressourcen in Form von Zeit und Geld aber vor allem auch in Form von Entscheidungsfreiheit gemeint. Letzteres wird gerne übersehen. Besonders wichtig ist die Entscheidungsfreiheit, wenn es um die Übertragung von Verantwortung für MitarbeiterInnen geht. In erster Linie muss die/derjenige mit den Menschen auskommen, der/dem Sie die Verantwortung übertragen haben und nicht Sie persönlich. Ihre Aufgabe ist es dann dafür zu sorgen, dass die mit Verantwortung betraute Person alle notwendigen Möglichkeiten bekommt und behält, die Sie zur Wahrnehmung der Verantwortung benötigt. Ein Streifenpolizist der bei einer Verhaftung erst den Polizeichef fragen muss, wird weder ernst genommen noch effizient arbeiten können. Gleiches gilt für alle Ihre MitarbeiterInnen die für/mit KundInnen arbeiten. Je größer der Handlungsspielraum ist dem Sie ihnen zur Verantwortung übertragen, umso eigenständiger können sie agieren und werden als entsprechend kompetent wahrgenommen.

Selbstverantwortung
In unserer Gesellschaft haben wir uns darüber verständigt, dass all jene die für sich selbst verantwortlich sein können das auch sind und wir Verantwortung für jene übernehmen die es nicht können. Deshalb ist es wichtig, jedem Menschen schon von klein an beizubringen was es bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Falls wir es später mit Erwachsenen zu tun bekommen die das nie gelernt oder zwischenzeitlich verlernt haben, ist es unsere Verantwortung ihnen das wieder beizubringen. Zu unser aller Wohl und zu deren persönlichem Wohl.

Verantwortung beginnt bei uns selbst. Erst wenn wir in möglichst vielen Belangen wieder Verantwortung für uns selbst übernehmen, können wir auch anderen dabei helfen es uns gleich zu tun.
Üben wir uns im verantwortungsvollen Umgang mit uns selbst und anderen.

 

Ihnen einfach eine gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

 

Macht es einfach.