einfach.wöchentlich #136 | Unlearn

Posted on Oktober 20, 2019

Unlearn

Unlearn war das diesjährige Thema beim Austrian Innovation Forum 2019 in Wien. Etwas absichtlich zu verlernen, vor allem Verhaltensweisen, ist notwendig um Innovation in Unternehmen zuzulassen. Wie verlernt man richtig?

Weniger oft tun
Tätigkeiten die mit Bewegungsabläufen verbunden sind, speichern wir in unserem Muscle-Memory ab. Ein Grund, warum man Fahrrad fahren oder Ski fahren nicht wirklich gänzlich verlernt. Wenn Sie beides einige Jahre nicht ausgeübt haben, werden die ersten Meter etwas holprig sein aber nach kurzer Zeit erinnert sich der Körper wieder und es funktioniert zumindest soweit, dass man einen Hügel ohne Sturz hinunter fährt oder vom Fahrrad wieder absteigt. Bei Tätigkeiten die vor allem mental erfasst werden, ist es wesentlich einfacher etwas zu verlernen. Wer zum Beispiel mit Excel arbeitet und nur alle heiligen Zeiten einen S-Verweis oder eine Pivot-Tabelle benötigt, wird nach einiger Zeit die KollegInnen aus dem Controlling oder Dr. Google befragen müssen.

Prozesse ändern
Prozesse brauchen meistens eine gewisse Zeit bis sie in den Köpfen aller verankert sind. Vor allem dann, wenn es sich nicht um EDV-gestützte Prozesse handelt, die keinen Workaround zulassen und man gezwungen wird so zu arbeiten. Solche Prozesse wieder zu verändern, also zu verlernen, braucht mindestens genauso viel Zeit wie sie zu etablieren. Ausgenommen sind jene Prozesse die stark vereinfacht oder gänzlich abgeschafft werden. Besonders spannend ist es, wenn es sich um Entscheidungsprozesse handelt. Wieviel jemand selbst oder gemeinsam mit anderen entscheiden darf, ist, wenn etwas daran geändert werden soll, immer mit Verhaltensänderungen verbunden.

Systematisches verlernen
Albert Einstein hat erkannt, dass Probleme nie auf der selben Ebene und mit den gleichen Mitteln gelöst werden können, mit denen sie geschaffen wurden. Es braucht einen Ebenenwechsel, eine Art höheres Ziel, das neue Rahmenbedingungen schafft die neues Denken und Lernen notwendig machen. „Denken Sie NICHT an einen rosaroten Elefanten!“ funktioniert einfach nicht. Besser Sie fordern auf an einen blauen Elefanten zu denken. Dann gerät der typische graue Elefant in den Hintergrund.

Innovation(en) für die Zukunft
So rasch wie sich aktuell unsere Umwelt verändert, ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Menschen davon überfordert fühlen. Eine Möglichkeit dem zu begegnen ist es, in seinem unmittelbaren Umfeld mitzugestalten. Immer wenn wir der Meinung sind die Sache selbst in der Hand zu haben, gibt uns das ein Gefühl der Kontrolle und Sicherheit über die zukünftigen Entwicklung. Diese Sicherheit kann man herstellen, wenn man sich aktiv mit der eigenen Zukunft (persönlich wie die des Unternehmens) auseinandersetzt. Am besten methodisch.

Speculative Design
Speculative Design ist ein methodischer Ansatz, mit dessen Hilfe mögliche Zukünfte für ein Produkt oder ein Unternehmen als Ganzes entwickelt werden. Nach dem wir alle DIE Zukunft noch nicht kennen, werden einige Szenarien eintreten und manche nicht. Welche das jeweils sein werden, lässt sich mit Hilfe der Betrachtung anderer Entwicklungen – technisch wie gesellschaftlich – als mehr oder weniger wahrscheinlich bewerten. Beim #AIF19 hat Liechtenecker in einem Workshop diesen methodischen Ansatz vorgestellt und anhand von Übungen erklärt. Dabei ist es wichtig sich zu überlegen, aus einer der wahrscheinlichen Zukünfte retrospektiv betrachtet, welche Schritte Sie HEUTE setzen müssen, damit diese ausgesuchte Zukunft in X Jahren dann auch wirklich eintritt. Es ist ein bisschen wie bei Zurück in die Zukunft – bloß in die andere Zeitrichtung.

Das haben wir immer schon so gemacht
Wer kennt diesen Satz nicht. Zig mal gehört und vielleicht auch selbst schon mal gesagt?! Prägen Sie sich diesen Satz ein. Definieren Sie ihn als Trigger für eine Unlearn-Chance, besser sogar als gar Notwendigkeit um innovativ zu bleiben oder innovativer zu werden. Aktive Gestaltung der Zukunft ist die Garantie auch eine Zukunft zu erleben die Sie und ich wollen und nicht die uns aufgebürdet wird. Beginnen Sie damit im engsten Umfeld. Sie werden sehen, wie sich das wellenartig fortsetzt und andere ansteckt. Nichts tun ist keine Option.

Learn. Unlearn. Repeat.

Ihnen eine einfach gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.