einfach.wöchentlich #131 | Gedankenbrise

Posted on September 15, 2019

Gedankenbrise

Nach zwei Tagen beim Beachcamp SPO das nicht nur windmäßig mit erfrischender Brise aufwartete sondern auch gedanklich ein sehr diverses Spektrum an gedanklicher Inspiration zu bieten hatte, schreibe ich diese Kolumne am Hamburger Airport und versuche die  Gedankenbrise zu ordnen. 

Reprise
Das Beachcamp SPO fand heuer bereites zum fünften Mal statt. Es ist eine großartige Leistung der Veranstalter Inga und Christian Wiele an den doch recht entlegenen Ort an der Nordsee jedes Jahr zwischen sechzig und siebzig TeilnehmerInnen zu locken. Auch wenn der Leitsatz „ein Barcamp ist das was Du daraus machst“ richtig ist, so spielen Ort, Qualität der Organisation und auch die anwesenden TeilnehmerInnen eine große Rolle um so eine Veranstaltung am Laufen zu halten. 

Barcamp(ing)
Für die die es noch nicht wissen: ein Barcamp ist per Definition eine Unkonferenz, die zwar mit einem Themenschwerpunkt als Orientierung aufwartet aber das eigentliche Programm der Vorträge oder Workshops erst am Morgen des Veranstaltungstages definiert wird. Es ist allen TeilnehmerInnen frei gestellt, eine Session vorzuschlagen oder auch nur daran teilzunehmen und zuzuhören. Eine jede Session ist mit fünfundvierzig Minuten begrenzt und wird mit einer Pause von fünfzehn Minuten abgeschlossen. In der Zeit findet der zweite wesentliche Aspekt statt: das Netzwerken. Aufgrund der im Vergleich zu anderen Barcamps geringen Anzahl an TeilnehmerInnen, ist es in den zwei Tagen des Beachcamps SPO möglich mit so gut wie allen zu sprechen und auch inhaltliche Diskussionen zu führen. Daraus haben sich in der Vergangenheit schon einige Projekte und Kooperationen ergeben. 

Hinterm Horizont gehts weiter
Mein persönlicher Grund an dieser Veranstaltung teilzunehmen ist die Notwendigkeit vom gewohnten Alltag sprichwörtlich Abstand zu nehmen und 1200km anzureisen und dann vor Ort von den Ideen und Denkkonzepten anderer konfrontiert und inspiriert zu werden. So ein Perspektivenwechsel ist sehr hilfreich um seine eigene Bubble zu verlassen und mit neuen Eindrücken zu versorgen. Selbst die Inputs derer mit denen man das restliche Jahr über via Social Media oder Email in Kontakt ist, bekommt an diesem Ort eine neue Qualität. Das der Ort Sankt Peter Ording am Meer liegt und die obligatorischen Strandspaziergänge helfen sprichwörtlich das Hirn durchzulüften mag Einbildung sein, hilft aber trotzdem. 

Gedankenräume
Für all jene die es an ihrem Arbeitsplatz schwierig finden neue Ideen zu erdenken oder Lösungen für Probleme zu erarbeiten sei eine solche Ortsveränderung dringend empfohlen. John Cleese spricht in einem seiner Vorträge über Kreativität über die Triggerwirkung der Umgebung des Arbeitsplatzes auf das eigene Denkvermögen. Um etwas Neues zu denken, braucht es eine wesentliche Ortsveränderung. Das temporäre übersiedeln in einen Besprechungsraum im eigenen Büro ist dafür nicht ausreichend das auch diese Räumlichkeiten mit Triggern aufgeladen sind. Manchmal reicht schon eine Zugfahrt in die nächste Stadt um dieser Triggerwirkung zu entkommen und „plötzlich“ neu denken zu können. Es empfiehlt sich diese Ortsveränderung zuerst alleine auszuprobieren um die eigenen Gedanken zu sortieren. Das braucht Zeit und etwas Übung. Bevor auch andere KollegInnen mitgenommen werden, sollten auch diese zuerst alleine geübt haben. Die oftmals in Unternehmen veranstalteten Retreats ohne entsprechende Vorbereitung verfehlen deswegen gerne ihre Wirkung weil sie zu kurz sind um alle TeilnehmerInnen in einen „für Neues offenen Zustand“ zu bringen. 

Entreizung
Jeder von uns kennt die unzähligen Reize denen wir tagtäglich ausgesetzt sind. Das teilweise sekündliche wechseln zwischen Email, Telefon, Social Media und dergleichen mehr bringt unser Gehirn in einen Zustand der Dauerbelastung. Neues muss sofort verarbeitet werden jedoch leidet darunter die Vernetzung der Synapsen und damit das Verküpfen von bekannter Erfahrung und neuen Eindrücken zu komplett neuen Denkergebnissen. Deshalb ist es wichtig sich zeitliche und örtliche Räume der Entreizung zu schaffen. Mittelfristig werden sich die entsprechenden Erfolge einstellen auch wenn es kurzfristig als „nicht produktive“ Zeit wahrgenommen wird. 

Probieren Sie es einfach aus und gönnen Sie sich eine reizarme Zeit um Altes zu sortieren damit daraus Neues entstehen kann. 

Ihnen eine einfach gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.