einfach.wöchentlich #130 | Midlifecrisis

Posted on September 8, 2019

Midlifecrisis

„Wenn das kein Beweis is, für die Midlifecrisis, ich hab‘s gar nicht bemerkt, aber danke jetzt weiß ichs.“ singt Reinhard Fendrich in seinem gleichnamigen Lied. Sehr treffend, nicht nur für die persönliche Lebensentwicklung sondern auch für gesellschaftlich relevante Entwicklungen. Woran liegt das und wie gehen wir damit um? 

Es kriselt
Eine Krise ist jene Phase in der eine Entwicklung oder ein Verhalten nicht mehr jene Wirkung erzielt die beabsichtigt war. Das passiert öfters als wir es uns vielleicht bewusst machen. Wenn wir uns zulange nicht bewegen, nimmt unsere Muskulatur ab, die Kondition lässt nach und beim nächsten Mal Stiegen steigen kommen wir bereits im Halbstock in Atemnot. Es besteht jedoch noch die Möglichkeit diese Entwicklung durch ein neues Verhalten zu beeinflussen in dem wir wieder mehr Bewegung machen und trainieren. 

Von der Krise zur Katastrophe
Verschärft wird das ganze, wenn mehrere kleine Krisen sich zeitgleich entwickeln und in ihrer Gesamtheit – womöglich auch noch miteinander verwoben – auftreten. Übersieht man diesen Punkt, ist diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten und man hat es mit einer Katastrophe zu tun die nur mehr im Nachhinein aufzuarbeiten ist. Das beste Beispiel dafür ist die aktuelle Klimakrise. Es steht außer Frage, dass diese Entwicklung von uns Menschen gemacht wurde und nur mehr wir sie auch beeinflussen können um nicht in einer Klimakatastrophe zu enden. Genauer betrachtet müsste es Menschheitskrise heißen denn das Klima auf der Erde kommt gut auch ohne uns aus. Umgekehrt eher nicht. 

Wege aus der Krise
Das Wort Krise stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß trennen und (unter)scheiden. Wenn man sich Krisen und deren Bewältigung ansieht, dann wir rasch klar das eine solche Krisensituation Entscheidungen nötig macht. So betrachtet, ist eine Krise eine gute Gelegenheit meist länger aufgeschobene Entscheidungen nachzuholen. Ich gehe noch einen Schritt weiter und sage, dass der große Vorteil einer Krisensitzung darin liegt, dass wirklich Entscheidungen getroffen werden. Frei nach dem Spruch „Es muss erst was passieren damit was passiert.“ Doch leider hat dieses Verhalten einen entscheidenden Nachteil: der Punkt an dem eine Krise nicht mehr aufzuhalten ist und in einer Katastrophe endet, ist nicht immer klar definiert und kann vor allem auch durch externe Ereignisse plötzlich eintreten. 

Aktuelle Krisen und Chancen
Da wäre unsere Klimakrise in der es ein mittlerweile radikales Umdenken und Verändern unsere Verhaltens benötigt um mittelfristig nicht in einer Katastrophe zu enden. Eine weitere Baustelle ist die Digitalisierung die nicht nur unsere Arbeitswelt auf den Kopf stellt sondern mit technologischen Errungenschaften auch unseren moralischen Kompass irritiert. In der Medizin haben wir ähnliches in der Genforschung und Genmodifikation schon durchgemacht und klare Regeln aufgestellt. Diese Regeln fehlen in der Digitalsierung, ganz besonders wenn es um Algorithmen („künstliche Intelligenz“) geht, noch zur Gänze. Die Konferenz des diesjährigen ars electronica festival stand unter dem Thema „Out of the Box – Die Midlife-Crisis der digitalen Revolution“. Dabei wurde deutlich, dass man sich bis jetzt auf spielerische Art und Weise primär mit den technischen Möglichkeiten beschäftigt hat, aber noch nicht ausführlich mit deren möglichen Folgen auf uns Menschen und unsere Gesellschaft. 

Reflexion
Das was uns Menschen ausmacht, ist die Fähigkeit über unser Tun zu reflektieren und zu beurteilen ob das bisherige Verhalten so weiter behalten werden kann oder geändert werden muss. Im Prinzip ist es das was auch gerne Kurskorrektur genannt wird. Je öfter man den Kurs analysiert umso geringer sind die Änderungen die notwendig sind. Da wir Menschen aber stark zu Gewohnheiten neigen, passieren diese Dinge leider selten und machen dann mühsame, aufwendige, anstrengende und außerhalb unserer Komfortzone liegende Veränderungen notwendig. Fest steht, dass es ohne diese „ugly truth“ keine Veränderung in unserem Verhalten gehen wird. 

Jeder ist gefordert, sich der Wahrheit und den Fakten zu stellen. Dieser Moment ist schmerzhaft aber nur von kurzer Dauer. Denn die erste Entscheidung die darauf folgt, lässt den vorangegangene Schmerz vergessen und es kehrt immer die Zuversicht, Hoffnung und ein positives Gefühl zurück. 

Ihnen eine einfach gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.