einfach.wöchentlich #129 | Neuigkeiten

Posted on September 1, 2019

Neuigkeiten

Neuigkeiten sind Teil unseres Alltags geworden. Es vergeht keine Sekunde mehr, in der wir nicht auf irgend einem Wege mit Neuigkeiten konfrontiert werden. Das ist eine Menge an Information. Doch wieviel davon ist wirklich neu? 

Breaking News
Wenn man in den sozialen Medien unterwegs ist, vergeht keine Sekunde in der sich der Bildschirminhalt nicht aktualisiert und etwas Neues erscheint. Vieles davon wurde aber schon mal veröffentlicht und wurde nur nochmals geteilt. Ganz nach dem Spruch „Es wurde bereits alles gesagt, aber noch nicht von jedem.“ Wir haben uns an diese hohe Taktfrequenz sehr schnell gewöhnt und werden bereits skeptisch wenn sich der Bildschirm mal ein paar Sekunden länger nicht aktualisiert. Möglicherweise plötzlich keine Internetverbindung mehr? Das Datenvolumen verbraucht? Eine leichte Panik macht sich breit. Wissenschaftler nennen das inzwischen FOMO – Fear of missing out. Die Angst etwas zu verpassen. 

Neuheiten
Traditionell Mitte September stellt Apple seine neuen Smartphones vor. Seit geraumer Zeit verdichten sich die Gerüchte welche neuen Funktionen, Formen, Farben und dergleichen mehr bei dem Event vorgestellt werden. Das ist so, als würde man bereits am ersten Adventssonntag wissen was man zu Weihnachten als Geschenk bekommt. Es ist dann noch immer eine Neuheit, weil bis dahin noch nicht verfügbar, aber nicht mehr neu im Sinne von überraschend. Ist dieses häppchenweise durchsickern lassen von Informationen gewollt um schon vorab zu testen wie die neuen Funktionen angenommen werden? Warum dann nicht gleich den Weg der offenen Innovation gehen und die Gemeinschaft der KundInnen in die Entwicklung miteinbeziehen und den Prozess dazu transparent machen? 

Alter Wein in neuen Schläuchen
Nur der Neuigkeit willen funktioniert es immer wieder, dass uns alte Dinge als neu verkauft werden. Was in Form des Recycling Sinn macht, ist an andere Stelle nicht zwangsweise sinnvoll. Wenn man neu mit besser gleichsetzen könnte, wäre das durchaus ein gangbarer Weg. Leider ist dem nicht immer so und die darauf folgende Enttäuschung ist unvermeidbar. 

Geduld
Geduld zu haben ist eine immer weniger verbreitete Eigenschaft. Es beginnt an der Supermarktkasse an der hektische „Zweite Kassa, bitte“ Rufe ertönen sobald sich auch nur der Ansatz einer kleinen Schlange gebildet hat. Es geht weiter beim Check-In-Schalter am Flughafen und endet bei Menschen die eine Ubahn betreten wollen noch bevor die darin befindlichen Menschen aussteigen konnten. Das ist deswegen interessant, weil es in manchen Situationen gar keine Alternative gibt um Zeit zu „sparen“. Das man Zeit nicht sparen sondern nur anders nutzen kann, sei hier nur am Rande erwähnt. Angeblich hat Wolfgang Amadeus Mozart im Juli 1770 den vielzitierten Satz „Gar nichts erlebt. Auch schön.“ in seinem Tagebuch notiert. Etwas das in der heutigen Zeit für viele von uns unvorstellbar geworden ist. 

Bereitschaft
Für jede Neuheit braucht es die Bereitschaft der Betroffenen diese auch anzunehmen. Manche Neuheiten sind einfach zu neu um akzeptiert zu werden. Rein technisch können Autos bereits eigenständig fahren weshalb ein Lenkrad obsolet wäre. Dennoch haben aktuelle Fahrzeuge noch immer ein Lenkrad eingebaut weil es ohne einfach niemand benutzen würde. Zu hoch wäre das Gefühl der Unsicherheit sich so einem Gefährt auszuliefern. Sieht man sich das Model 3 von Tesla an, so ist die Reduktion des Armaturenbrett auf ein Display ohne physische Schalter und Knöpfe bereits ein Schritt in diese Richtung. Der Ersatz des inneren Türgriffs durch einen Druckknopf hat große Wellen geschlagen weil unser Verhalten nicht darauf konditioniert ist. 

Sind Sie bereit für Neues? Sind Sie bereit, sich Neuem zu öffnen und Ihr Verhalten zu ändern? Wenn ja, sind Sie geduldig mit sich selbst und anderen. Dann werden es gute Neuigkeiten. 

Ihnen eine einfach gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.