einfach.wöchentlich #117 | Preiswert

Posted on Juni 9, 2019

Preiswert

Alles hat (s)einen Preis. Und alles hat auch einen Wert dem wir der Sache beimessen. Der Preis ist ist ein objektiver Zahlenwert. Im Gegensatz dazu ist der Wert eine gänzlich subjektive Sache. Demnach ist der Begriff preiswert auch gänzlich subjektiv und damit bestens geeignet um unterschiedlicher Ansicht zu sein. Und das ist gut so. 

Ein Monitorständer um 999 Dollar
Am Montag fand Apples Entwicklerkonferenz statt, bei der auch ein Vorgeschmack auf den im Herbst erscheinenden neuen Mac Pro Computer geliefert wurde. Sowohl der PC als auch der zugehörige Monitor waren danach das Gespräch in allen Medienkanälen. Vorne weg die Diskussion über den Monitorständer um dessen Preis sich unsereins zwei bis vier Monitore inklusive Standfuß kaufen würde. Was in den vielen Geschichten rund um diese Preisgestaltung vergessen wurde ist die Tatsache, dass der neue Monitor eine Zielgruppe anspricht, die bis dato ähnlich leistungsfähige Monitore um zwanzig bis vierzigtausend Dollar kaufte. Der Monitor von Apple kostet aber (inklusive Standfuß) nur sechs bis siebentausend Dollar. Quasi ein Schnäppchen im vergleich zu den anderen Geräten.  

Der Preis
Der Preis ist eine reine Wertangabe für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Der Preis errechnet sich grob umrissen aus den Kosten der Entstehung, den Aufschlägen für Verwaltung und natürlich einer Gewinnmarge. Diese Kosten variieren je nach dem ob in Serie oder von Hand gefertigt wird. 

Der Wert
Der Wert eines Produkts oder eine Dienstleistung wird zumeist auf zweierlei Arten bemessen. Einerseits rechnerisch um herauszufinden ob sich die Investition rechnet. Das ist besonders bei Produktionsmitteln interessant wenn dadurch die Effizienz oder Qualitität gesteigert werden kann. Andererseits ist da noch die persönliche BeWERTung. Nicht selten hat das Produkt mit seinen Features oder die Marke selbst einen großen Wert für diejenigen die sie kaufen. Menschen zeigen sich damit und kommunizieren ihre persönliche Wertehaltung. Das gilt gleichermaßen für Konsumgüter wie auch Investitionsgüter im unternehmerischen Kontext. Nicht selten kann man bei Fachkonferenzen – vor allem unter Männern – den fachlichen Austausch im Format einer „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ Unterhaltung beobachten. 

Preiswert
Der Begriff preiswert trägt für mich schon lange die unterschwellige Bedeutung von „billig“ mit sich herum. Ich finde zu Unrecht. Wenn man etwas als preiswert bezeichnet, dann ist das für mich den Preis wert. Höchst subjektiv und abhängig von meiner individuellen Situation und Stimmungslage. Feiert man mit besonderen Freunden dann greift man eher zu einer besonderen meist teureren Flasche Wein als sonst. Ist man bei einem OpenAir Konzert im Hochsommer, dann darf das Bier auch gerne mal fünf Euro kosten weil einerseits keine Alternative vorhanden und andererseits die Stimmung gut ist und man halt jetzt einfach Gusto darauf hat. 

Vielschichtigkeit
So ähnlich wir uns in unseren Grundbedürfnissen auch sind, so individuell und vielschichtig sind wir bei unseren Wünschen. Das zu akzeptieren und zugleich als Chance für mannigfaltige Angebote zu sehen war noch nie so ausgeprägt möglich wie heute. Es wäre doch furchtbar langweilig und innovationsfeindlich wenn immer und überall one size fits all gelten würde. 

Der persönliche Selbstwert
Zunehmend stellen sich Menschen die Frage ob ihnen dieses oder jenes ihre Anstrengungen auch wert sei. Ich finde dieses Hinterfragen eine positive Entwicklung. Dabei geht es nicht nur um Gehalt oder Honorar sondern auch um Lebensqualität. Geld wiegt Zeitaufwand nur bedingt auf. Im Gegensatz zu Geld ist Zeit ist unwiederbringlich. Die Frage „Ist es mir es Wert, den Preis (in Form von Zeit, Stress, etc.) dafür zu bezahlen?“ stellen sich insgeheim oder auch unbewusst viele die mit Ihrer Aufgabe unzufrieden sind. Das Ausmaß der eigenen Bereitschaft etwas zu tun, also den eigenen persönliche Preis zu kennen, ist der erste Schritt für ein gesundes SelbstWERTgefühl.

 

Ihnen einfach eine gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.