einfach.wöchentlich #106 | Tiefarbeit

Posted on März 24, 2019

Tiefarbeit

Wann haben Sie zuletzt ohne Unterbrechung und ohne Ablenkung länger als eine halbe Stunde gearbeitet? Also ohne Emails zu checken, keine sozialen Medien, kein Telefonanruf, kein Radio? Bei mir ist das schon etwas länger her. Im Buch „Deep Work“ beschäftigt sich Cal Newport sehr ausführlich mit unterbrechungsfreiem Arbeiten im digitalen Zeitalter. Spoiler: Tiefarbeit ist nicht leicht aber sehr zielführend und wertvoll. 

Ablenkungen everywhere
In unserer dauervernetzten Welt gibt es nur mehr sehr wenige Orte an denen wir nicht erreichbar wären. Das öffnet umgekehrt auch die Möglichkeit von außen abgelenkt zu werden. Die vielen Benachrichtigungs-Piepser von Whatsapp, Email und Co. sowie unsere selbstgemachte Ablenkung noch eben schnell ein Foto zu posten. Selbst am Arbeitsplatz hat das private wie auch das berufliche Handy seinen fixen Platz in Blick- und griffweite. Die aufblinkenden Benachrichtigungen sind im peripheren Blickfeld und werden unbewusst wahrgenommen. Ein ausreichender Reiz für unser Gehirn um sich damit auseinanderzusetzen. Et voilà – die perfekte Ablenkung. Dazu kommen die meistens standardmäßig eingestellten Benachrichtigungen am PC für Email, Skype oder neuerdings auch im Webbrowser für bestimmte Webseiten. Und dann ist das noch das Telefon – egal ob Handy oder Tischtelefon. Die Krönung ist dann noch das Großraumbüro mit der fehlenden Möglichkeit einfach die Tür hinter sich zuzumachen um ungestört zu sein. 

Blocken
Unser Gehirn braucht eine etwas Zeit um sich auf eine Aufgabe voll zu konzentrieren. Das merkt man am ehesten wenn Sie von einer Aufgabe auf eine andere „umschalten“ wollen und aus der vorherigen noch nicht ganz draußen und in der nächsten noch nicht ganz angekommen sind. Es fühlt sich in etwa so an wie wenn man aus dem Schlaf gerissen wird – für ein paar Momente ist man gewissermaßen orientierungslos. Wenn Sie nun von einer Besprechung zur nächsten hetzen, ist es kein Wunder wenn Sie oder andere denen es ähnlich geht, nicht gleich von Beginn an ganz bei der Sache sind. Eine kurze Pause kann hier Wunder wirken. Am besten mit einem kurzen Rückzug aufs stille Örtchen. 

Wenn Ihr Tag durch viele solche Besprechungen zerfleddert, wird die Zeit dazwischen immer weniger für Tiefarbeit nutzbar. Dagegen hilft, sich im Kalender Zeitblöcke festschreiben, in denen Sie sich einer konkreten Aufgabe widmen. Blocken Sie also Zeiten für bestimmte Tätigkeiten und blocken Sie möglichst alle Unterbrechungen von außen. 

Seichte Arbeit
Jeder von uns hat sogenannte „seichte Arbeiten“ zu erledigen. Damit sind Aufgaben wie Reiseorganisation, Emailkommunikation, Abrechnungen, Reporting, etc. gemeint. Sofern sich einiges davon nicht sowieso automatisieren lässt, sollte auch diese Aufgaben in Blöcken zusammengefasst werden. Dann ist es auch kein Problem, in diesen Blöcken die berühmten „Weapons of Mass Disruption“ (Twitter, Facebook, Instagram) zu bedienen. 

Wir haben uns angewöhnt, dass vor allem Emails zusehend mit der Erwartungshaltung verknüpft sind umgehend antworten zu müssen. Ich erinnere mich noch an die Netiquette, dass eine Email binnen 24 Stunden zu beantworten als passend empfunden wurde. Cal Newport geht in seinem Buch noch einen Schritt weiter und erzählt davon, dass beim Empfänger keine grundsätzliche Verpflichtung für eine Antwort entsteht, nur weil er eine Email bekommen hat. Da im heutigen Zeitalter die Email oftmals den Papierbrief ersetzt, ist in der Kundenkommunikation dieses Vorgehen nicht angebracht. In der internen Kommunikation sieht das aber schon wieder anders aus. 

Mehr mit weniger
Aus meiner Studienzeit weiß ich noch sehr gut, dass vor Abgabeterminen meine Konzentration rapide anstieg. Ich schaffte es, alle Ablenkungen von mir fernzuhalten und konnte in vergleichsweise kurzer Zeit enorm viel Arbeit erledigen. Stellen Sie sich vor, Sie könnten das nicht nur punktuell sonder öfters so handhaben. Was denken Sie, wieviel mehr könnten Sie in der gleichen Zeit erledigen oder wie oft könnten Sie schon früher, ohne Überstunden zu machen, daheim bei Ihrer Familie sein? Viele der von Cal Newport vorgeschlagenen Maßnahmen sind auf den ersten Blick radikal und nicht von heute auf morgen umsetzbar. Trotzdem empfehle ich, sich darüber Gedanken zu machen, wofür Sie ihre eigene Zeit verwenden und welche Maßnahmen Ihnen dabei helfen, mit weniger Zeit qualitativ höhere und quantitativ mehr  Arbeit zu leisten. 

 

Denkanstößiges für die kommende Woche:

  • Wie oft werden Sie in einer Stunde unterbrochen?
  • Wie oft lenken Sie sich selbst in einer Stunde ab?
  • Bricht die Welt zusammen, wenn Sie 2 Stunden nicht erreichbar sind?

Ihnen eine einfach gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.