Digitale Zukunft | #12

Posted on August 23, 2020

Digitale Zukunft – ein Szenario dem sich nicht einmal mehr Hardcore Verweigerer entziehen können. Zu sehr hat und wird sich unsere Umgebung digital umstellen und weiter entwickeln. Was bedeutet das für junge Kinder und Neugeborene? Wie sollen wir Erwachsenen sie aufwachsen lassen? Was sollen wir ihnen beibringen und lernen lassen? Wir, die mit der Digitalisierung aufgewachsen sind, aber trotzdem der rasanten Entwicklung mehr oder weniger hinterherhinken und unsere Probleme damit haben, sollen also wissen was für die Jungen gut ist?

Werte

Ja, es mag abgedroschen klingen, aber Werte haben und zu vertreten ist, bleibt und wird immer wichtiger. Werte wie Respekt, Vertrauen, Gleichberechtigung sind tiefer Bestandteil unserer Persönlichkeit und unseres Verhaltens. Sie sind so tief in uns verankert, dass in von Menschen programmierten Algorithmen die Unzulänglichkeiten von Werten schonungslos zu Tage treten. Unsere oft unbewussten Vorurteile (Bias) beeinflussen unsere Entscheidungen. Als kleinen Korrekturfaktor gibt es da zwar noch unser Gewissen. Computer haben aber kein Gewissen sondern entscheiden nur auf Basis der ihnen eingeimpften Vorgaben. Es ist also unbedingt notwendig, jungen Menschen ein gutes Vorbild zu sein um deren Werte-Entwicklung positiv zu beeinflussen.

Lernen

Allen Schulkindern ein Tablet zu schenken ist eine lobenswerte Idee. Noch wichtiger wäre allerdings, neben reiner Wissensvermittlung, ihnen richtig [lernen, verlernen, neu lernen] beizubringen. Mit der sinkenden Halbwertszeit von Technologien und Programmiersprachen, wird dieser Zyklus von ihnen viel häufiger durchlaufen als von unserer Generation oder der Generation unserer Eltern. Das Wissen um Lernmethoden, den Mut zur Lücke (nicht alles im Detail wissen zu müssen) und einen Blick für das Große Ganze wird immer wichtiger.

Kreativität

Noch bevor Sie mir ein „Kreativität kann man doch nicht lernen“ entgegenwerfen: da haben Sie recht. Jedoch kann man sich etliche Methoden und Techniken aneignen um kreative Ergebnisse zu produzieren. Für sich alleine oder mit einem Team. Mit der Digitalisierung haben wir uns Möglichkeiten erarbeitet, die jeden zur/zum GestalterIn machen kann. Es gibt genügend [Software]Werkzeuge, die uns dabei in einer früher ungeahnten Qualität unterstützen. Musik, Fotografie und Film sind nur drei Beispiele für die heutzutage sogar ein Smartphone ausreicht um zu gestalten.

Gestaltungsräume

Niemand ist zu 100 Prozent produktiv. Selbst diese Prozentmarke anzustreben ist kontraproduktiv. Menschen brauchen Freiräume in denen sie Dinge ausprobieren können. Diese Räume sind sowohl örtlich als auch zeitlich zu verstehen. Örtlich, weil wir am gewohnten Arbeitsplatz, der auf Produktivität getrimmt ist, eben nicht kreativ sein können. Und zeitlich, weil wir Zeit ohne Druck brauchen, um unser Gehirn in den richtigen Modus bringen können. Es ist gut zu beobachten, dass einige Eltern meinen, ihre Kinder immer bespaßen zu müssen. Dabei ist es längst bewiesen, dass erst Langeweile Kinder dazu bringt, sich mit sich selbst und verfügbaren Dingen oder Spielsachen zu beschäftigen. Und genau dann entsteht Kreativität. Es wird ausprobiert, verworfen, neu probiert. Immer wieder aufs Neue. Dieses iterative Vorantasten ist das, was uns Älteren teilweise noch fehlt oder uns mühsam mit Design Thinking oder Agile bzw. SCRUM beigebracht wurde.

The Basics

Was für uns früher lesen, schreiben & rechnen war, wird zukünftig um die oben genannten Punkte erweitert werden müssen. Was auf den ersten Blick als höhere Anforderungen erscheint, relativiert sich, wenn wir damit, dem Alter entsprechend, früher anfangen. Kein Kleinkind muss im Kindergarten schon einen vollen Sprach- oder Programmierkurs absolvieren. Kinder sollen auch noch Kind sein dürfen. Mit stetig steigender Lebenserwartung ist später noch genug Zeit um produktiv zu sein.

Wir, die erste Internetgeneration, haben es in der Hand jetzt die Rahmenbedingungen für uns und nachfolgende Generationen zu schaffen. Im privaten Umfeld wie auch im beruflichen Umfeld. Je mehr sich das bewusst machen, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Politik nachzieht. Warten Sie nicht länger, gestalten Sie durch Ihre Vorbildwirkung!

Bis zum nächsten Mal,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht Digitales einfach.