#166 | Ausdauer

Posted on Mai 17, 2020

Ausdauer ist eine Frage des Trainings und der kontinuierlichen Anwendung des Erlernten. Egal ob in sportlicher, beruflicher oder privater Hinsicht. Seit neun Wochen sehen wir uns mit einer Situation konfrontiert, die kaum jemand zuvor so erlebt hat. Und dennoch haben wir in der kurzen Zeit schon große Fortschritte gemacht. Wird aus Dauer eine neue Gewohnheit?

Aller Anfang ist schwer
Zu Beginn war es schon etwas paradox. Zum ersten Mal war nichts tun die beste Option um anderen zu helfen. Die selbst auferlegte Beschränkung unnötige Wege zu vermeiden und daheim zu bleiben war plötzlich das Gebot der Stunde. Zugleich stellte sich das Problem wie man weiterhin seiner Arbeit nachgehen soll ohne das Haus zu verlassen. Schon lange vorhandene Technik wurde aus dem Regal geholt, entstaubt und versucht in Betrieb zu nehmen. Das Einführungstraining war bereits lange her und in Vergessenheit geraten. Es fühlte sich an, als würde man Sonntags von der Couch gestoßen, sollte in einem 100 Meter Sprint gegen Usain Bolt antreten und war sich nicht einmal sicher die 100 Meter überhaupt zu schaffen.

Die ersten Meter
Laufen ist an sich, wenn man es mal gelernt hat, keine große Sache. Man setzt einfach schneller als normal einen Fuß vor den anderen und legt eine x-beliebige Distanz in kürzerer Zeit zurück. Zwei Dinge sind dabei aber zu beachten: Laufen kostet mehr Energie als Gehen und die vorhandene Energie muss entsprechend im Körper verteilt werden. Diese Verteilung übernimmt das Herz-Kreislaufsystem welches grundsätzlich sehr effizient arbeitet. Seine Effizienz orientiert sich aber an der Belastung die man ihm abverlangt. Ist die Belastung dauerhaft niedrig, wird es bei plötzlicher Mehrbelastung ineffizient und kann die vorhandene Energie nicht gut verteilen. Sie sind außer Atem und nach kürzester Zeit schlapp.

Zeitweise mehr
Um nicht nach kürzester Zeit schlapp zu machen, ist eine langsame aber stetiger Steigerung der Belastung hilfreich. Ein Problem unserer Gesellschaft ist es, zu schnell viel mehr zu wollen als wir [dauerhaft] aushalten und verarbeiten können. Punktuelle Mehranstrengung schafft jeder von Ihnen. Jeder der schon mal eine Nacht durchgemacht hat, weiß das. Sie wissen aber auch, was nach der durchgemachten Nacht mit Ihnen passiert und wie Sie sich dabei fühlen. Irgendwann holt sich der Körper dann die Erholung die er braucht und das kann durchaus abrupt erfolgen. So ein Zusammenbruch ist niemanden zu wünschen und kann auch einfach, durch regelmäßiges Training, vermieden werden.

Muskelgedächtnis
Wenn Sie über längere Zeit immer wieder die gleiche Bewegung ausführen, merken Sie sich diesen Bewegungsablauf. Daher kommt auch der Spruch „Das ist wie Fahrradfahren. Das verlernt man nie.“ Nach einer langen Radfahrpause mag es zwar sein, dass Sie sich auf den ersten Metern ein wenig unwohl fühlen und wackelig daher rollen, aber nach kurzer Zeit erinnert sich Ihr Muskelgedächtnis wieder daran und führt die Bewegungen geschmeidiger aus. Beim Laufen verhält es sich ähnlich. Ist man mal ein oder zwei Wochen gar nicht gelaufen, fühlen sich die ersten ein bis zwei Kilometer sehr schwerfällig an und man kommt ziemlich ins Schnaufen. Der Kreislauf ist noch nicht wieder in Schwung und arbeitet ineffizient. Läuft man dann aber wieder regelmäßiger, erinnert sich der Körper wieder daran und man kommt rascher in die Gänge als früher.

Ausdauer
Wenn Sie bis hier durchgehalten haben, verfügen Sie bereits über mehr Ausdauer als andere. Gratuliere! Ausdauer ist die Fähigkeit, sich mit klarem Fokus Schritt für Schritt einem Ziel anzunähern. Manchmal mit der Ungewissheit dieses Ziel jemals zu erreichen. Dennoch ist gewiss, dass man mit der nötigen Ausdauer den eingeschlagenen Weg weiter gehen wird als andere die gleich mit einem Sprint beginnen und sich dabei verausgaben. Besonders im Geschäftsleben sind diese Sprints von einem Monat zum nächsten, von einem Quartalsergebnis zum nächsten tief in Unternehmenskulturen verankert. Das bedeutet nicht, dass Sie keine Zwischenzeiten – um bei der Sportanalogie zu bleiben – nehmen sollten. Regelmäßige Checks sind gut und wichtig um mit seinen Ressourcen sorgfältig umzugehen und noch Reserven zu haben. Wie man aktuell sieht, werden immer wieder Reserven benötigt – manchmal sogar aus Gründen die vorher niemand so richtig antizipiert hat. Diese Reserven können monetärer Art wie auch mentaler Art sein. Wer in Krisen die längere Ausdauer hat, mit klarem Kopf Entscheidungen zu treffen und nicht durch Angst getrieben richtungslos in Panik zu verfallen, wird so eine Krise auch gut durchstehen. Egal wie lange sie auch dauern mag. Wie? Einfach einen Tag nach dem anderen.

Ihnen einfach eine gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht Digitales einfach.