#163 | Homeoffice

Posted on April 26, 2020

Homeoffice. Ein Ort, der noch vor ein paar Wochen ähnlich sagenumwoben war wie Nimmerland, Mittelerde oder Atlantis. Man hat schon so einiges davon gehört, aber wo das ist und was dort genau passiert konnte niemand sagen. Ein paar wenige Privilegierte waren schon öfters dort gewesen und nutzten es ab und an als Abwechslung zum normalen Office-Alltag oder wenn mal die Handwerker daheim beaufsichtigt werden mussten. Aktuell ist das Homeoffice zu einem wichtigen Infrastrukturbestandteil geworden von dem aus viele Menschen Ihre Arbeit verrichten sofern das möglich ist. Diese rasante Metamorphose vom Schattendasein zum integralen Infranstrukturbestandteil muss erst verdaut werden. Aber wie?

Räumliches
Bei weitem nicht alle die einen büroähnlichen Job ausüben, haben daheim einen fixen Arbeitsplatz der dem im normalen Büro nahe kommt. Vor allem was den zu Verfügung stehenden Platz betrifft, sind viele daheim weit unter dem Platzangebot den ein durchschnittlicher Büroarbeitsplatz bietet. Für die privaten Angelegenheiten reicht oft eine kleines Regal für die Papierablage und ein Laptop aus. Beides kann stundenweise auf dem Esstisch ausgebreitet und wieder weggeräumt werden. Das entspricht natürlich keinen ergonomischen oder arbeitsrechtlichen Bedingungen die sonst mehr oder weniger beachtet werden. Dazu kommt noch, dass in einem Familienhaushalt der/die PartnerIn ebenso den gleichen Tisch nutzen sollte und womöglich auch noch die Kinder ihre Hausaufgaben machen. Da bräuchte es schon eine mittelalterliche Rittertafel um platzmäßig das Auslangen zu finden.

Technisches
In den letzten Jahren hat in den Haushalten ein technisches Aufrüsten stattgefunden. Breitbandinternet ist zumindest in den größeren Städten und Gemeinden vorhanden um unter anderem Streaming Angebote nutzen zu können. Zumeist wird der Fernseher oder eine Spielkonsole direkt angeschlossen und der Rest der im Haushalt befindlichen Devices nutzt ein WLAN. Das ist einerseits praktisch, dann man sich überall in der Wohnung hinplatzieren und das Internet nutzen kann, aber nicht immer sehr stabil oder mit der nötigen Bandbreite die sonst in einem meist fix verkabelten Büro vorhanden ist. Dazu kommt noch, dass auf Grund der Platzsituation selten externe Monitore vorhanden sind, die ein Arbeiten mit einem Laptop über längere Zeiträume erträglich machen.

Rechtliches
Ein Homeoffice im rechtlichen Sinne, ist ein vom Arbeitnehmer bereitgestellter Platz/Raum, in dem vom Arbeitgeber bereitgestelltes Equipment inklusive Internetanschluss zur Verfügung stehen. Rein rechtlich ist sogar (in Österreich) das Arbeitsinspektorat dazu ermächtigt, die Vorgaben an einen Homeoffice-Arbeitsplatz zu überprüfen. Weiters muss der Arbeitgeber auch für den entsprechenden Support des zur Verfügung gestellten Equipments sorgen. Das ist natürlich aufwendiger, als wenn alle Arbeitsplätze an einem Standort versammelt sind und durch eigenes oder zugekauftes Personal betreuet werden können. In der Vergangenheit sicher ein Grund, warum nur in Ausnahmesituationen dieser Aufwand betrieben wurde.

Führungstechnisches
Ohne physischen Anwesenheit entfällt das wichtiges Momentum der wechselseitige Beziehung zwischen Führungskraft und MitarbeiterIn. Das jahrelang geübte Verhalten, dass man [so tut als ob man] arbeitet wenn die Chefin oder der Chef da ist oder der/die ChefIn glaubt man ist fleissig, weil man auf seinem Arbeitsplatz sitzt, wird durch die räumliche Trennung aufgehoben. Jene Führungskräfte, die schon länger ergebnisorientiert und nicht anwesenheitsorientiert führen, haben damit kein Problem. Ebensowenig die so geführten MitarbeiterInnen. Die wissen was zu tun ist und erledigen die Arbeit auf Ihre Weise. Sie fragen nach, wenn ihnen Informationen fehlen oder eine Entscheidung ansteht, die sie selbst nicht treffen können/dürfen. Bei all jenen, die sehr detaillierte Arbeitsanweisungen brauchen und in kleinen Schritten mit Anweisungen geleitet werden müssen, stellt sich das um einiges schwieriger dar.

Homeoffice – Zukunft
Idealerweise ist das Homeoffice der Zukunft eine Ergänzung zum Büroarbeitsplatz. Es gibt einfach Aufgaben, die selbst in einem Kaffeehaus besser erledigt werden können, als im lauten Großraumbüro. Die Möglichkeit, nicht jeden Arbeitstag in die Arbeit pendeln zu müssen, entlastet sowohl den Individualverkehr wie auch öffentlichen Nahverkehr. In Grippezeiten reduziert sich durch das weniger oftmalige Pendeln die Chance sich anzustecken oder andere anzustecken und gleiches im Büro zu tun. Das reduziert die Anzahl an Krankenständen und erhöht damit die Produktivität im Unternehmen. Gleichzeitig, lässt sich so die Vereinbarkeit von Beruf und Familie leichter erzielen, wenn man auch mal kurz von daheim arbeiten kann, weil der Handwerker kommt. Dazu braucht es noch ein wenig Übung von allen Beteiligten – MitarbeiterInnen wie Führungskräften. Den Einsteiger-Crashkurs haben viele in der aktuellen Situation recht erfolgreich absolviert. Jetzt geht es an das Verfeinern und die kulturelle Integration in der Unternehmensalltag.

Ihnen eine einfach gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht Digitales einfach.