#151 | Kontinuität

Posted on Februar 2, 2020

#151 | Kontinuität

Kontinuität hat in unserer Zeit eine besondere Bedeutung. Nichts ist so konstant wie die Veränderung, sagt man. Auch eine Form der Kontinuität, die aber mit etwas Anstrengung verbunden ist. Ist Kontinuität heute noch zeitgemäß?

Am Laufenden bleiben
Seit dem 25. Dezember laufe ich jeden zweiten Tag. Mal eine kurze Runde, mal eine längere Runde. Bis auf eine Ausnahme habe ich das bis jetzt so gehandhabt. Ich habe also eine gewisse Gewohnheit oder Kontinuität in diesem Verhalten aufgebaut. Egal wie die Umstände auch sind, ziehe ich mir mein Laufgewand an und mache mich auf den Weg. Was anfangs eine Überwindung war, besonders Abends nach der Arbeit, ist inzwischen zu einem Punkt auf der Tagesordnung geworden auf den ich mich freue. Je nach Tagesverfassung nehme ich mir dann eine entsprechende Strecke vor und laufe sie ab.

Fortschritt
Dank Smartwatch wird alles genau aufgezeichnet und ich kann daran die eigene Verbesserung ablesen. Zu Beginn war meine kurze Strecke (2,5km) mühsam. Von Mal zu Mal merkt man aber, wie sich der Körper an diese neue Belastung gewöhnt und „mitwächst“. An manchen Tagen hat man auch das Gefühl, dass es besonders gut geht und man traut sich eher aus der eigenen Komfortzone und probiert eine längere Strecke. Vor knapp zwei Wochen habe ich erstmal die fünf km geknackt. Vor vier Tagen sechs Kilometer und gestern sieben Kilometer am Stück. Das spannende dabei ist, dass mit jeder geschafften längeren Strecke das nächste Ziel immer greifbarer erscheint. Das liegt einerseits an der besser werdenden Kondition und andererseits an dem steigenden Selbstbewusstsein es auch zu schaffen.

Rückschläge
Natürlich gibt es auch Rückschläge. Tage an denen man nach ein paar hundert Metern schon atemlos wird und keine Idee hat warum dem so ist. Jede Tätigkeit hat ihre Herausforderungen die durch viele Aspekte positiv und negativ beeinflusst werden kann. Treten Symptome länger auf, macht es sich nach der Ursache zu forschen. Passiert ist nur einmal, ist es bessern sich weiter zu konzentrieren und auf Kontinuität zu setzen. Besser einmal nur kurz gelaufen als gar nicht gelaufen.

Geduldsfaden
Nicht immer lassen sich Erfolge so leicht bemerken und messen wie beim Laufen. Besonders im Arbeitsleben braucht Kontinuität einen langen Geduldsfaden da nicht nur das eigene Verhalten sondern auch das der MitarbeiterInnen sich entwickeln muss. Und das geht, wie beim Laufen, unterschiedlich schnell.

Flexibilität
Kontinuität bedeutet nicht stur etwas immer und immer wieder gleich zu wiederholen. Im Gegenteil. Flexibilität ist ein wesentlicher Bestandteil einer kontinuierlichen Entwicklung. Sich auf neue Rahmenbedingungen einstellen, neue (Trainings)Methoden ausprobieren stehen an der Tagesordnung. So wie kein Mensch in seine körperlichen Konstitution gleich ist, so gilt das auch für MitarbeiterInnen und Teams in Organisationen.

Arbeitsalltag
Kontinuität ist im Arbeitsalltag in allen Unternehmen und Organisationen vorhanden. Die Arbeitszeiten regeln wann die MitarbeiterInnen anwesend sein müssen, die diversen Regulierungen schreiben vor, wann welche Reports zu erstellen sind und manche Gruppierungen treffen sich regelmäßig um die Quartalszahlen zu besprechen oder ein- bis zweimal im Jahr auf eine Klausur zu fahren. Was dabei allerdings oft fehlt, ist das laufende Training der operativ tätigen Menschen. Nicht selten passiert es, dass jemand nach der Onboardingphase im Unternehmen jahrelang kein Training bekommt oder zumindest Teile seine Arbeitszeit dafür verwenden darf, sich fachlich und menschlich weiter zu entwickeln.

Prozessebene
So selbstverständlich der Budgetprozess und der buchhalterische Jahresabschluss sind, so wenig selbstverständlich ist das kontinuierliche ausprobieren und forschen im Bereich der Innovation. Menschen mit „Sei innovativ“ zu motivieren funktioniert genau so wenig wie sie mit „sei spontan“ zu mehr Spontanität aufzufordern. Dazu braucht es Raum und Zeit. Und zwar kontinuierlich und nicht nur an zwei Workshoptagen im Jahr. Gerade in der Innovation, egal ob Produkt- oder Prozessinnovation, braucht es Zeit um viele Dinge auszuprobieren und aus Rückschlägen zu lernen. Kontinuität verteilt die „beim nächsten Mal muss es funktionieren“-Anspannung auf einen längeren Zeitraum, stärkt das Vertrauen in den laufenden Fortschritt und macht es dabei für alle Menschen verdaulicher.

Ihnen eine einfach gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.