#149 | Klarheit

Posted on Januar 19, 2020

Klarheit

Klarheit in zwischenmenschlicher Kommunikation ist manchmal anstrengend aber dafür unmissverständlich und verlässlich. Herumgeschwurbel ist nicht nur in der Politik an der Tagesordnung sondern findet auch im Geschäftsleben bereits etliche NachahmerInnen.

Sagen was ist.
Diese drei Worte sind, oder sollten es sein, das Leitmotiv des Journalismus. Ereignisse neutral und wertfrei darstellen wie sie passiert sind, ist die Grundlage für die persönliche und gesellschaftliche Einschätzung. Darauf bauen unsere gesellschaftlichen Werte und Ethik auf. Die Wissenschaft macht es uns schon seit Jahrhunderten vor. Gibt es neue Erkenntnisse, werden die alten ad acta gelegt und die neuen zum Status Quo erhoben. So lange bis es wiederum neue Fakten gibt.

Faktenlage
Es gibt viele Bereiche in unserem Leben, in denen wir besser nicht mit unklaren Fakten konfrontiert werden. Zum Beispiel unsere Gesundheit. Wenn Sie sich einer Gesundenuntersuchung unterziehen und vom Blutbild bis zum EKG alle Befunde sammeln, erwarten Sie sich eine klare Einschätzung durch den Arzt und kein Aussagen die mit einem könnte, vielleicht, eventuell, unter Umständen beginnen. Anderes Beispiel: Ihr Kontostand. An dem Tag an dem Sie auf Ihrem Kontoauzug ein „zirka“ vor dem Kontostand sehen, würden Sie sich auch so manche Frage stellen und vermutlich Ihre/n BankbetreuerIn anrufen, richtig?

Auf Sicht
Wenn Sie sich an Ihre Fahrschulzeit erinnern, dann war und ist Ihnen das Prinzip „Fahren auf Sicht“ sicher noch geläufig. Zur Erinnerung: man passt die Geschwindigkeit so an, dass man innerhalb der Sichtweite gefahrlos stehen bleiben kann. Dieses Prinzip lässt sich auch gut auf andere Situationen übertragen. Wenn Sie als Führungskraft selbst nich nicht genau wissen wohin die Reise des Unternehmens gehen wird, schafft es bei Ihren MitarbeiterInnen wenig Vertrauen wenn Sie volle Kraft voraus verkünden und jeder mitbekommt, dass eben diese Richtung noch gar nicht bekannt ist. Es ist authentischer, wenn Sie ein Vorantasten in kleinen Schritten erklären und sich bei jedem Schritt das Vertrauen in den eingeschlagenen Weg aufbaut.

Bullshitbingo
„Eine gute Grundlage ist die beste Voraussetzung für eine solide Basis.“ Dieses Zitat von Peer Steinbrück ist ein Beispiel für eine sehr gut klingende Aussage. Mit null Inhalt. Menschen, die sich in einer Position befinden die sie ungern wieder verlassen möchten, bedienen sich solcher Formulierungen um möglichst wenig angreifbar zu sein. Bloß keine Versprechungen machen oder Meinungen äußern die man zu einem späteren Zeitpunkt widerrufen und womöglich das genaue Gegenteil verkünden muss. Je öfter solche Formulierungen verwendet werden, umso weniger hören Menschen zu und tragen diese Botschaft weiter. Kurzzeitig mag so eine Taktik aufgehen und erfolgversprechend sein. Mittel- und langfristig fällt einem so etwas aber auf den Kopf und setzt damit seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel.

Transparenz
Transparenz ist ein Mittel um Gerüchten entgegen zu wirken und falsche Vorstellungen entstehen zu lassen. Gerade im Bereich der Finanzsituation eines Unternehmens oder auch des Staates wird hier nicht sehr offen kommuniziert. Obwohl es in Österreich gesetzlich verbindlich ist den Jahresabschluss einer GmbH an das Firmenbuchregister zu übermitteln, wird das Jahresergebnis in den seltensten Fällen den MitarbeiterInnen einfach verständlich präsentiert und vorgestellt. Nur ein erlauchter Kreis um die Geschäftsführung und das Rechnungswesen ist in die kennt die finanzielle Situation des Unternehmens. Das ist aus meiner Sicht eine vertane Chance um das Potenzial in einem Unternehmen besser zu ergründen oder anstehende, auch schwer verdauliche Entscheidungen zu argumentieren. Viel zu oft wird dadurch das Vorurteil „die da oben werden es sich schon richten“ angeheizt. Falls dem wirklich so ist, wäre die Transparenz ein praktisches Mittel um dem eventuell Einhalt zu gebieten und auch dem Management einen etwaigen Verzicht abzuverlangen.

Einfach auf den Punkt
Schon in der Volksschule haben wir gelernt, unsere Ferienerlebnisse möglichst ausgeschmückt und detailreich zu beschreiben. In literarischer Sicht ist das eine gute Übung und für unsere Kreativität sehr förderlich. Wenn es aber um die reine Tatsachendarstellung geht, ist diese Herangehensweise kontraproduktiv. Gerne werden auch zuerst positive Punkte angeführt um die Empfänger der Botschaft einzulullen und erst dann mit einer vermeintlich negativen Botschaft zu konfrontieren. Ich zweifle daran, dass diese Taktik hilft wenn man jemanden mitteilen muss das sie/er seinen Job verliert. Formulieren Sie Ihre Botschaft auf den Punkt und warten auf die Reaktion Ihres Gegenüber. Dann wird auch ein kontruktiver Umgang mit der Situation möglich. Sagen Sie einfach was ist.

Ihnen eine einfach gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

Macht es einfach.