einfach.wöchentlich #54

Posted on März 25, 2018

(Un)Abhängigkeit

Wir werden an der Nabelschnur hängend geboren und werden in einem Sarg zu Grabe getragen. Und dazwischen? Wie (un)abhängig sind wir wirklich? Wenn wir uns ehrlich gegenüber uns selbst sind, möchten wir gar, zumindest etwas, abhängig von einander sein?

Selbstbestimmung
Selbstbestimmt tun und lassen können was man möchte ist ein angenehmes Gefühl. Sich nicht sagen lassen müssen was man darf oder nicht darf ist besonders dann befreiend, wenn man es noch nicht kannte. Egal ob im beruflichen oder privaten Kontext ist die freie Entscheidungsfindung eine feine Sache. Mit einem kleinen Haken. Für alle unsere Freiheiten sind wir selbst verantwortlich. Wir tragen die volle Verantwortung für unsere Entscheidungen und deren Folgen. Das größte Geschenk, dass Eltern ihren Kindern mitgeben können, ist eine Erziehung die sie schrittweise zu eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Menschen heranführt, bevor sie, im juristischen Sinne, voll geschäftstüchtig sind. Im beruflichen Kontext wandelt sich die Erziehungsaufgabe in Führungskompetenz. Leider wird dabei oft eine paradoxe Situation hergestellt. Man betraut Mitarbeiter/innen mit einer Aufgabenstellung und entzieht ihnen aber die Möglichkeit selbstbestimmt Entscheidungen über die Art und Weise  wie die Aufgabe zu erledigen ist. Wenn ein Manager die Erledigung einer Aufgabe bis ins kleinste Detail definieren kann, sollte er besser über die Anschaffung eines Roboters nachdenken. Vertraut er in die Lösungskompetenz der Mitarbeiter/innen, definiert er das angestrebte Ergebnis, stellt ihnen die Ressourcen zu Verfügung und lässt sie einfach arbeiten. Betrachtet man so ein Szenario in einer Organisation aus der Helikopterperspektive, zeigt sich rasch, dass keines dieser Teams losgelöst von anderen operieren und existieren kann.

Einseitig
Vor einem viertel Jahrhundert war es noch üblich ohne Rücksicht auf Kunden zu produzieren und zu verkaufen. Kleine Gruppen von Produktmanagern, Marketingfachleuten und Verkäufern machte sich Gedanken darüber, welche Produkte sie den Kunden „einreden“ wollten. Erst mit der Verbreitung des Internets und der damit einhergehenden Vernetzung [der Kunden] änderten sich die Spielregeln. Kunden konnten sich erstmalig einfacher untereinander austauschen und sich direkt an die Hersteller wenden. Gleichzeitig begannen sich auch die Hersteller direkt an die Kunden zu wenden. Aus einseitig wurde wechselseitig.

Wechselseitig
Wenn Sie heute schon die Reaktionen auf Ihre letzten Postings in diversen Medien überprüft haben, haben Sie die Wirkungsweise von Wechselseitigkeit bereits erlebt. Kommentare oder Likes auf Postings lösen Reaktionen in unserem Gehirn aus. Selbst wenn auf ein Posting gar nicht reagiert wird, löst das Reaktionen in uns aus. Suchtexperten vergleichen diese Wirkung mit der von Alkohol und dem damit verbundenen Suchtpotenzial.
Neben dieser Gefahr gibt es aber auch Gutes zu berichten. Der Mensch ist ein soziales Wesen und interagiert mit anderen um sich selbst und die anderen weiter zu entwickeln. Wir lernen miteinander und voneinander. Jeder hat Vorlieben und Stärken die sich gegenseitig ergänzen. Ein Blick in die Natur genügt um zu erkennen, wie gut Symbiosen funktionieren können und wie wichtig diese für das natürliche Gleichgewicht sind. Gegeneinander zu arbeiten führt unweigerlich zur gegenseitigen Auslöschung. Miteinander zu arbeiten führt zu Weiterentwicklung.

Denkanstößiges für die bevorstehende Woche
  • Welche Freiheiten nehmen Sie sich und wieviel Freiheiten geben Sie anderen?
  • Wovon fühlen Sie sich (zu) abhängig?
  • Wem möchten Sie zu mehr Selbstbestimmung verhelfen damit aus einseitiger Abhängigkeit eine wechselseitige Beziehung wird?

Ihnen einfach eine gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher