einfach.wöchentlich #53

Posted on März 18, 2018

Zuhören 

„Hör mir (bitte) zu!“ ist, je nach Tonfall eine Aufforderung oder Bitte des Gegenübers. Allzuoft kommen wir dem zwar nach, aber nicht um sich in die Situation des anderen hineinzuversetzen, emphatisch zu sein, sondern um sich gleichzeitig bereits Gedanken über eine Antwort zu machen. Erst diese Woche ist mir das selbst so passiert. Während mir jemand einen Sachverhalt schilderte, dachte ich bereits über Lösungsmöglichkeiten nach ohne die genaue Historie der momentanen Situation zu kennen und zu hinterfragen. Besonders bei historisch (über Jahre) gewachsenen Zuständen ist das aber essentiell. Die zuletzt sichtbaren Ereignisse sind bloß Symptome aber selten die Ursache. Nicht zu hinterfragen wie es über die Zeit dazu gekommen ist, eliminiert die Chance die damalige Situation mit der heutigen Situation zu vergleichen und damit die Relevanz besser einschätzen zu können. Rahmenbedingungen ändern sich, technische und organisatorische Möglichkeiten ändern sich und damit auch die Möglichkeiten Veränderung herbeizuführen.

Hinhören
Um diese Möglichkeiten zu finden, muss man vorher genau hinhören. Oft ist das nicht Gesagte wichtiger und aufschlussreicher als das Erzählte. Dieses zwischen den Zeilen hören geht aber nur mit voller Konzentration. Dabei hilft sich vor dem Gespräch über die Rollenverteilung einig zu sein. Soll ich nur zuhören, weil das Gegenüber einfach nur laut über etwas reden möchte um dabei vielleicht selbst auf neue Gedanken zu kommen? Soll ich zuhören um danach Fragen zu stellen? Soll ich zuhören um danach Feedback zu geben und meine Sicht der Dinge zu äußern? Was im ersten Moment etwas formal klingen mag, ist auf den zweiten Blick sehr hilfreich. Egal ob es sich dabei um private oder berufliche Situationen handelt, diese Klärung wirkt in jedem Fall. Mit der Zeit, wenn man sich besser kennt, funktioniert dass auch intuitiv.Es ist wichtig zu erwähnen, dass es Momente gibt in denen die zuhörende Person das „nur zuhören“ dürfen auch ablehnen darf. Besonders für sehr lösungsorientierte Menschen ist es nicht einfach nur zuzuhören ohne danach über Lösungen zu reden. Da ich mich selbst zu dieser Gruppe zähle, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, wieviel Energie es kostet nur zuzuhören. Gleichzeitig weiß ich ebenso aus eigener Erfahrung, wie erleichternd es sein, kann einfach mal nur etwas loszuwerden ohne gleich eine Lösung finden zu wollen.

Reden lassen
Manchmal ist es angebracht auch nicht hinzuhören und die anderen einfach reden zu lassen. Die Ärzte haben das in ihrem Song „Lasse redn!“ wunderbar auf den Punkt gebracht. Oder die Textpassage „I muss ned olles wos sie sogt imma hör’n“ im Lied „Großvater“ von STS beschreibt eine ähnliche Situation des einfach reden lassen. Bei aller Liebe für Achtsamkeit, es tut der eigenen Seelenhygiene ab und zu sehr gut nicht alles aktiv aufzunehmen. Mit der Zeit entwickelt sich ein Filter der intuitiv wichtig von unwichtig trennen kann.

In sich hinein hören
… ist eine interessante Metapher für die eigene Intuition und in der heutigen Zeit von Selbstvermessung mit Apps & Co. ein paradoxer Ansatz wieder mehr auf sich selbst zu hören. Probieren Sie es einfach mal aus.

Denkanstößiges für die bevorstehende Woche
  • Bei welcher Gelegenheit werden Sie kommende Woche „nur“ zuhören?
  • Wen werden Sie kommende Woche einfach nur reden lassen?
  • Wie oft hören Sie auf Ihre Intuition?

Ihnen einfach eine gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher