einfach.wöchentlich #34

Posted on 5. November 2017

Anfang

…und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…(der uns beschützt und der uns hilft, zu leben)“ schrieb Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen„. Dieser Text öffnet viele Möglichkeiten der Interpretation und das ist auch gut so. Warum ist es aber manchmal schwer einfach anzufangen?

Weg von oder hin zu
Ein Anfang beschreibt immer einen Moment nachdem etwas oder auch vieles anders sein wird als zuvor. Eine Veränderung wird eingeleitet. Je nach Ausgangssituation ist dieser neutrale Moment positiv oder negativ aufgeladen. Positiv, wenn ich zu etwas Erfreulichem hin möchte oder negativ, wenn ich von etwas Unerfreulichem weg will oder muss. Trotzdem gehört zu jeder dieser positiv oder negativ wahrgenommenen Momente auch immer das jeweilige Gegenteil dazu. Es ist der Anfang vom Ende aber auch das Ende vom Anfang. Denn wer etwas Neues beginnt, endet etwas davor Angefangenes. Die Frage ist also, worauf lege ich bei einem (Neu)Anfang den Fokus. Recht deutlich wird das zum Beispiel bei einem Jobwechsel. Stoße ich mich von meinem alten Job ab, weil ich unter den Bedingungen nicht mehr arbeiten möchte und kein Vorankommen spüre, oder lasse ich mich vom neuen Job anziehen der bessere Möglichkeiten in Aussicht stellt. Wahrscheinlich ist es auch da immer eine Mischung aus beidem, nur das Mischungsverhältnis wird individuell unterschiedlich sein.

Absolute Beginners
Wir alle waren und sind absolute Beginners (David Bowie) bei allem was wir tun. Uns unterscheidet nur die Geschwindigkeit mit der wir vorankommen und uns weiterentwickeln. Es ist also keine Schande sich als Anfänger zu bezeichnen, da jeder einmal angefangen hat. Kein Meister ist jemals als solcher vom Himmel gefallen. Die wahren Meister bewahren sich diesen Moment des Anfangs möglichst lange und beginnen auch bewusst immer wieder neu. Sie wissen, dass jeder Anfang die Chance ist, mit ungetrübten frischen Augen auf eine Situation oder Problem zu schauen und neue Möglichkeiten zu sehen. Und zugleich, wird man den Ballast, der sich unweigerlich mit der Zeit ansammelt, dabei wieder los. Denken Sie nur an die unzähligen temporären Dateien auf Ihrem PC die bei einer Neuinstallation alle verschwinden und wieder Platz für Neues machen.

(Ent)Lernen
Zugegeben, das neu beginnen ist, wenn man den Entschluss dazu gefasst hat, einfacher als das Loslassen von dem was davor war. Alles was wir tun beruht auf lange eingeübten Verhaltensweisen, Bewegungen und Denkmustern die zuerst entlernt werden müssen bevor das neue Verhalten Platz findet. Dieser Vorgang ist nicht leicht und besonders am Anfang mit hohem Aufwand verbunden.

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Man denke nur an die Energie die dazu nötig ist, dass Gravitationsfeld der eigenen Couch zu überwinden um draußen seine Laufrunde zu beginnen. Egal ob körperliche Verhaltensmuster oder mentale Denkmuster, beides benötigt eine Neuverschaltung der Synapsen im Gehirn und das geht leider nicht so leicht und pragmatisch wie ein Softwareupdate.

Wieder.Geburt
Trotz dieser Neuverschaltung im Gehirn bleiben frühere Erfahrungen trotzdem vorhanden. In einem Computer würden sie im read-only-Archiv-Bereich der Festplatte abgelegt werden. Nicht mehr veränderbar aber trotzdem jederzeit verfügbar. Diese Verfügbarkeit ist die Basis von dem was Steve Jobs einst als „connecting the dots“ bezeichnet hat. Gesammelte Erfahrungen werden neu miteinander verknüpft und bilden etwas Neues. Sie werden wieder geboren. Leicht verändert, aber noch erkennbar und vor allem notwendig.

Wer sich also davor scheut neu anzufangen, kann die Scheu genommen werden. Nichts ist verloren, es ist weiterhin vorhanden und erscheint nur in neuer Form und Funktion. Sehr ähnlich wie es uns die Evolution vorlebt. Hier ist besonders in Organisationen ein umdenken notwendig. Am ersten Anschein mag vielleicht Geld verloren sein. Bei genauerer Betrachtung steckt das Geld aber in den Erfahrungen aller Beteiligten und diese bilden, bei entsprechendem Umgang, die Basis für den nächsten Anfang.

Erfahrungen müssen gemacht werden.
Fangen Sie einfach damit an.
Jetzt.

Denkanstößiges für die bevorstehende Woche

  • Womit wollen Sie jetzt beginnen?
  • Wovon wollen Sie weg oder wo hin wollen Sie?
  • Was müssen Sie zuerst entlernen?

Ihnen einfach eine gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

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