einfach.wöchentlich #32

Posted on 22. Oktober 2017

Authentizität

Authentisch zu sein ungefähr genauso schwer wie das Wort Authentizität ohne Verhaspler auszusprechen. Es braucht eine Menge an Selbsterfahrung, Selbsterkenntnis und vor allem Übung im selbst sein.

Selbsttreue
Wir alle bewegen uns auf einer Gratwanderung des Seins wie wir sind und wie wir für andere sein wollen. Oft verschwimmt die Grenze zwischen unserer Eigen- und Fremdwahrnehmung zu einer grauen Nebelsuppe die weit mehr als 50 Shades zu bieten hat. Sich über sich selbst klar zu werden, wer man ist, oder noch wichtiger, wer man werden möchte, ist das Fundament für authentisches handeln und folglich von anderen als authentisch wahrgenommen zu werden. Paradoxer Weise muss einem die Wahrnehmung anderer aber egal sein, um als authentisch wahrgenommen zu werden. Erst dann geht man seinen Weg, handelt nach seinen eigenen Vorstellungen und Werten. Jede Treue, speziell jene zu sich selbst, wird nicht von heute auf morgen aufgebaut. Vielmehr ist das ein Vorgang der über längere Zeit andauert und genabgenommen nie endet. Lediglich der von einem selbst gefühlte Aufwand, zu sein wer man ist, wird geringer.

Fake it till you make it
Für die ungeduldigen unter uns mag dieses „fake it till you make it“ eine taugliche Strategie sein um den Weg zur Selbsttreue abzukürzen. Generell hat die Vorliebe für Shortcuts ja in den letzten Jahr(zehnt)en zugenommen. Das beginnt bei der Bedienung von Software mittels bestimmter Tastenkombinationen und endet bei den täglich im SPAM-Ordner landenden Get-Rich-Quick-Schemes.
Auch einige Start-Ups arbeiten mit dieser Methode um sich über die Zeit, in der ein Produkt oder eine Dienstleistung noch nicht so funktioniert wie erzählt, hinüber zu retten und um Kunden zu vertrösten. Das mag kurzfristig notwendig sein und auch funktionieren aber langfristig gesehen besteht hier die Gefahr, dass es Usus wird und gar kein Interesse mehr daran besteht, seinen eigenen persönlichen oder unternehmerischen Kern zu entwickeln oder zu zeigen.

Vorspielerei
Mal unter uns gesprochen: wer hat noch nie etwas vorgespielt um die Situation des Gegenüber angenehmer zu gestalten? Dachte ich mir. Zweifelsohne gibt es Situationen in denen es angebrachter ist, nicht zu 100% authentisch zu sein sondern emphatischer zu reagieren, vielleicht nicht die ganze Wahrheit zu erzählen oder eine kleine Notlüge anzubringen. Auch wir selbst wollen manchmal, wider besseren Wissens, von der vollen Wahrheit verschont werden. Aber nur manchmal. Entdeckt man, dass diese Vorspielerei zur Gewohnheit wurde, dann fühlt man sich zurecht äußerst unwohl und verletzt dabei.

Erwartungshaltung(en)
Authentisches Verhalten hat viel, wenn nicht alles, mit einer Erwartungshaltung zu tun. Es geht dabei um das Wechselspiel zwischen meinem versprochenen Verhalten und dem verstandenen, erwarteten Verhalten auf Empfängerseite. Dieses Spiel beginnt bei einem selbst mit der Erkenntnis womit ich mich alleine wohl fühle und mit welchen Reaktionen ich mich wohl fühle. Wenn ich mich mit den Reaktionen nicht wohl fühle, kann das an meinem Umgang mit diesen Reaktionen liegen oder an den Menschen mit denen ich mich umgebe. Beides lässt sich beeinflussen und austesten bis man seine Mitte gefunden hat. Und auch hier gilt es für sich selbst eine realistische Erwartungshaltung zu etablieren. Man muss lernen es zu erwarten, seine [authentische] Haltung zu finden. Sag was Du tust und tue was Du sagst. Ist so einfach, aber alles andere als leicht.

Denkanstößiges für die bevorstehende Woche

  • Wie oft handeln Sie anders als Sie es eigentlich wollten?
  • Warum handeln Sie anders als Sie es wollten?
  • Wie reagiert Ihr gegenüber wenn Sie (nicht) authentisch handeln?

Ihnen einfach eine gute Woche,

Alexander M. Schmid
Der Vereinfacher

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