(Co)Working spaces

Posted on 7. Juni 2017

Wäre hätte gedacht, dass Räume die dem „zusammen arbeiten“ dienen, als Geschäftsmodell so erfolgreich werden. Früher hatten solche Räumlichkeiten ja den langweiligen Namen Bürogemeinschaft. Was unterscheidet nun solche neuen Raumkonzepte von herkömmlichen Büros?

Die Zielgruppe
In erster Linie werden Coworking Spaces von Freelancern und Einzelunternehmen genutzt, die einen leistbaren Arbeitsplatz abseits vom Küchentisch daheim suchen und auf eine bessere Infrastruktur zurück greifen möchten. Nicht jeder mag Kundenbesuch daheim in den eigenen vier Wänden. Ein geteilt nutzbarer Besprechungsraum bietet dafür einen professionelleren Rahmen. Wenn junge Unternehmungen wachsen, nutzen sie auch mehrere Plätze oder separate Büroeinheiten als eine Art Büro im Büro.
Mittlerweile haben aber auch die „Corporates“ die Coworking Spaces als Arbeitsraum entdeckt und nutzen diese für kurzzeitige Projektbesprechungen, als Workshop Infrastruktur oder längerfristig als Spin-Off Location für neu zu etablierende Geschäftszweige (manchmal in Kooperation mit dort bereits ansässigen Start-Ups).

Das Raumkonzept
In den meisten Fällen ähnelt ein Coworking Space einem Großraumbüro. Mehrere zu 2er – 4er Gruppen zusammen gestellte Schreibtische, Besprechungsräume, eine Art Atrium für Veranstaltungen und ein Cafeteria-Bereich zum (gemeinsamen) Essen. Was auffällt ist, dass es immer öfter auch Ruhezonen gibt, in denen weder telefoniert oder laut geredet werden darf. Zum telefonieren gibt es eigene Bereiche oder eben die Besprechungszimmer. Soweit möglich, wird räumlich auf die unterschiedlichen Tätigkeiten (telefonieren, lesen, konzentriertes arbeiten, Small talk, essen, etc.) eingegangen.

Die Kultur
Zu Beginn waren Coworking Spaces eine bunte Mischung aus diversen Branchen und Gewerben. Mit der Zeit, auch um sich von anderen abzuheben, haben sich die Coworking Spaces einen Schwerpunkt gesucht um gezielt Profis aus diesem Bereich anzuziehen. So gibt es heute Spaces mit Schwerpunkt social Entrepreneurship, Fintec, Green Energy, Software Development, etc.
Allen gemein ist die Offenheit einander gegenseitig bei Problemen zu helfen. Das passiert einerseits durch Wissensvermittlung oder Vernetzung mit anderen Kontakten außerhalb des Space.

Was können sich (größere) Firmen davon abschauen?
Die heutigen Methoden der Zusammenarbeit (=coworking) haben, und daran hat die Digitalisierung der Kommunikation einen wesentlichen Anteil, andere Anforderungen an das Raumangebot als noch vor 10 Jahren. Zusätzlich haben sich die Berufsbilder stark gewandelt und fordern ebenso andere Arbeitsumgebungen. Softwareentwickler brauchen einfach Ihre Ruhe und können nicht im gleichen Raum wie ein Telefonverkäufer sitzen. Die zunehmende Projektarbeit benötigt eigene Projekträume die nach einem Workshop nicht sofort blitzblank aufgeräumt werden müssen. Es braucht Ruhezonen um konzentriert zu arbeiten und es braucht eigene Gemeinschaftsareale die zum spontanen Austausch untereinander dienen.

„Die frühere Raumorganisation und Gestaltung abhängig von einer Abteilung oder Jobbeschreibung wird von einer aufgaben-orientierten und bereichsübergreifenden Organisation und Gestaltung abgelöst.“

Homeoffice ja oder nein?
Gerade in kürzester Vergangenheit haben einige Unternehmen (z.B.: Yahoo und IBM) damit aufhorchen lassen, Arbeit im Homeoffice stark einzuschränken oder komplett zu verbieten. Einer der Gründe war, dass man so die Zugehörigkeit zum Unternehmen wieder stärken möchte was durch mehr physisches Beisammensein erreicht werden soll. Im Falle von Yahoo, dass auch schon bessere Zeiten erlebt hatte, mag das eine unpopuläre aber notwendige Maßnahme sein. Bei IBM haben sich die vermeintlichen Kostenersparnisse durch geringeren Platzbedarf scheinbar nicht eingestellt.
Neben diesen Argumenten gibt es noch das selten klar ausgesprochene Argument der Kontrolle. Wer physisch anwesend ist, arbeitet auch. So die landläufige Meinung.

Warum will man denn ins Homeoffice?
Einerseits spielt der Anfahrtsweg eine Rolle. Wer für einen 8h Tag mehr als eine Stunde pro Richtung pendeln muss, überlegt sich einfach, die Zeit nicht sinnvoller zu nutzen. Ein anderer Grund, der meiner Einschätzung nach noch unterschätzt wird, ist die oben beschriebene Raumgestaltung der Büros. Wenn ich im Büro nicht in Ruhe und konzentriert meiner Arbeit nachgehen kann, dann suche ich mir eben woanders einen Platz zum arbeiten. Das kann daheim oder in einem näher gelegenen Coworking Space sein.

Fazit
Trotz aller technischer Möglichkeiten ist und bleibt der Mensch ein soziales Wesen, dass den physischen Kontakt, zumindest zeitweise, benötigt. Manche iterativen Methoden verlangen ebenfalls nach persönlicher Interaktion vor Ort. Nicht zuletzt entscheidet die Firmenkultur über die Art und Weise der Gestaltung von Arbeit. Es ist also ein individuell unterschiedliches sowohl als auch gefragt um als Unternehmen erfolgreich zu coworken.


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